AA

Erfolg ohne Gewinn: Warum sich das Schanzenzentrum nicht trägt

©Stiplovsek
Die Zahlen sprechen für sich. Und doch passt am Ende etwas nicht zusammen. Im Montafon wird so viel gesprungen wie nie – aber wirtschaftlich bleibt eine Lücke.

Vom Anfänger bis zum Weltcup-Athleten

Wer im Montafon Skispringen lernen will, beginnt klein – im wahrsten Sinne. Die Anlage in Tschagguns, die 2014 für etwas mehr als 15 Millionen Euro gebaut wurde, umfasst vier Schanzen von Hillsize 22 bis 103 und deckt damit die gesamte Entwicklung eines Athleten ab. "Die Jüngsten springen schon mit vier bis fünf Jahren", sagt Christoph Kraxner, verantwortlich für das Schanzenzentrum in Tschagguns.

Christoph Kraxner erklärt VOL.AT-Sportchef Simon Bitriol die technischen Besonderheiten der Schanzenanlage. ©Roland Paulitsch

Die kleinen Schanzen sind für Kinder gedacht, die 66-Meter-Schanze, die Zweitgrößte, gilt als Herzstück. Rund die Hälfte aller Sprünge passiert hier. "Das ist unsere meistgenutzte Schanze – auch vom Vorarlberger Skiverband", erklärt Kraxner, der auch Geschäftsführer des heimischen Skiverbandes ist. Auf der größten Anlage, einer Normalschanze (HS 103), trainieren Athleten ab etwa 14 Jahren bis hin zur internationalen Spitze.

International gefragt

Die Zahlen zeigen, wie stark die Anlage genutzt wird: Rund 4000 Trainingseinheiten wurden zuletzt pro Saison gezählt. Eine Einheit entspricht einem Athleten, der etwa eineinhalb bis zwei Stunden trainiert.

Von klein bis groß: Rechts die Kinderschanze, links die Normalschanze. ©Roland Paulitsch

Auffällig: Der Großteil kommt nicht aus Vorarlberg. Von den 4000 Einheiten entfallen rund 1700 auf heimische Springer, etwa 2300 auf Gäste – aus Süddeutschland, der Ostschweiz, Tirol, Südtirol oder sogar Ostdeutschland. "Wir haben wirklich eine multinationale Auslastung", so Kraxner.

Aber auch innerhalb Vorarlbergs gibt es Bewegung. Vor allem vom Ski Klub Montafon ist die Nutzung zuletzt stark gestiegen, mit über 400 zusätzlichen Einheiten innerhalb eines Jahres. Insgesamt trainieren im Land rund 50 aktive Skispringer.

Mehr Sprünge im Sommer als im Winter

Auch wenn der Schwerpunkt der Schanzenanlage natürlich auf dem Winter liegt, wird auch in der wärmeren Jahreszeit viel gesprungen. "Rein von den Zahlen her wird die Anlage im Sommer sogar mehr genutzt", sagt Kraxner. Der Grund ist simpel: Die Sommersaison dauert bis zu sechs Monate, während der Winterbetrieb oft nur drei bis maximal vier Monate möglich ist.

Die Winterspur ist derzeit abgedeckt, der Sommerbetrieb auf den weißen Rollen hat am Dienstag begonnen. ©Roland Paulitsch

Hinzu kommt die Abhängigkeit vom Wetter. Während im Sommer mit Matten und Wasserbetrieb relativ konstant trainiert werden kann, ist der Winter deutlich aufwendiger. Ohne Kunstschnee wäre ein Betrieb mittlerweile unmöglich. Rund 8000 Kubikmeter Schnee werden benötigt, die Hälfte davon allein für die große Schanze.

Speziell im Montafon ist das Interesse am Skispringen wieder stark angestiegen. ©Roland Paulitsch

Nicht kostendeckend

Die Kehrseite trotz der starken Auslastung: Wirtschaftlich trägt sich die Anlage nicht selbst. Das Jahresbudget liegt bei rund 500.000 Euro. Einnahmen kommen aus Trainingsgebühren, Veranstaltungen, Führungen oder Vermietungen – etwa im "Café Nordic".

Die Preise für Trainings sind vergleichsweise moderat: Zwischen neun und 20 Euro pro Einheit, je nach Schanze. "Das müssen wir über die Masse machen", sagt Kraxner. Höhere Preise wären für viele Vereine nicht tragbar.

Trotzdem bleibt ein Defizit. "Es ist ein Gap da. Groß ist er nicht, aber er ist da." Ohne öffentliche Förderungen, Sponsoren und Kooperationen wäre der Betrieb nicht möglich, vom Land bekommt das Schanzenzentrum heuer 117.000 Euro. Genau das entspricht auch der Realität im Spitzensport: Er kostet und bringt selten direkte Gewinne.

Von oben sieht man bis ins Schrunser Dorfzentrum. ©Roland Paulitsch

Qualität statt Quantität

Was die Anlage allerdings liefert, ist Qualität. Seit der Eröffnung hat sich das Leistungsniveau deutlich gesteigert. Namen wie Eva Pinkelnig oder Niklas Bachlinger stehen exemplarisch dafür.

"Die Anzahl der Springer ist nicht explodiert – aber die Qualität schon", betont Kraxner. Die Trainingsbedingungen gelten als top, die Anlage zählt technisch zur Spitze in Österreich.

Kraxner kennt die Anlage so gut wie sonst niemand. Er ist einerseits für das Schanzenzentrum verantwortlich, andererseits auch als VSV-Geschäftsführer Nutzer der Schanzen. ©Roland Paulitsch

Ein Standort mit Zukunft – trotz Herausforderungen

Das Schanzenzentrum Montafon ist heute weit mehr als eine regionale Trainingsstätte. Es ist ein international gefragter Standort, ein zentraler Baustein für den Vorarlberger Skisprung und ein Beispiel dafür, wie aufwendig moderner Spitzensport geworden ist. Hohe Auslastung, steigende Qualität, aber auch ein permanenter finanzieller Spagat.

(VOL.AT)

  • ADMIN AT
  • Wintersport
  • Erfolg ohne Gewinn: Warum sich das Schanzenzentrum nicht trägt