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Schon jetzt mehr Lawinentote in Österreich als in der gesamten Vorsaison

In diesem Winter sind bereits 13 Menschen bei Lawinenunglücke in den österreichischen bergen ums Leben gekommen.
In diesem Winter sind bereits 13 Menschen bei Lawinenunglücke in den österreichischen bergen ums Leben gekommen. ©APA
Während die Zahl der Lawinentoten in den vergangenen Jahren sank, zeigt die aktuelle Wintersaison 2025/26 eine alarmierende Entwicklung. Bereits Mitte Jänner wurden mehr Tote verzeichnet als im gesamten Vorjahr.

Mehr Opfer – trotz rückläufigem Langzeittrend

Der langfristige Trend ist eigentlich erfreulich: Zwischen 2005 und 2025 lag die durchschnittliche Zahl der Lawinentoten in Österreich laut Österreichischem Kuratorium für Alpine Sicherheit (ÖKAS) bei 19 pro Jahr – ein deutlicher Rückgang gegenüber früheren Jahrzehnten. Noch bemerkenswerter war die Vorsaison 2024/25: Mit lediglich acht Todesopfern österreichweit war sie eine der sichersten der letzten 20 Jahre.

Doch dieser positive Trend hat 2025/26 einen herben Dämpfer erfahren. Bereits bis zum 18. Jänner 2026 sind laut Alpinpolizei 13 Menschen in Lawinen ums Leben gekommen – und damit mehr als in der gesamten vorhergehenden Saison.

Unterschätzte Gefahr – auch für Profis

"Grundsätzlich ist jedes Opfer eines zu viel", sagte Hans Ebner, Leiter der Alpinpolizei, gegenüber der APA. Unter den 13 bisher Verstorbenen befanden sich überwiegend Skitourengeher, aber auch zwei Variantenfahrer und ein Wanderer. Letzterer wurde von einem kleinen Schneebrett erfasst und stürzte 350 Meter in die Tiefe.

Besonders trügerisch ist die Lawinenwarnstufe drei. "Das ist eine sehr kritische Situation", betonte Ebner. Viele würden die Gefährlichkeit unterschätzen, weil die Stufe "nur" im mittleren Bereich liegt. Dabei steige das Risiko ab dieser Stufe exponentiell.

Auch Profis seien betroffen – darunter erfahrene Tourengeher und sogar Bergführer. Die beste Ausrüstung nütze nichts, wenn die Verhältnisse falsch eingeschätzt würden.

Letzter tödlicher Lawinenunfall in Vorarlberg

In Vorarlberg verläuft der Winter 2025/26 bislang glimpflich. Auch in der Vorsaison 2024/25 gab es – wie schon 2024 – keine dokumentierten Lawinentoten im Land. Der letzte tödliche Lawinenunfall in Vorarlberg ereignete sich im Februar 2023 im Kleinwalsertal. In den letzten zwei Jahrzehnten starben insgesamt 42 Menschen durch Lawinen im Land – im Schnitt etwas über zwei pro Jahr. Besonders tragisch war etwa das Jahr 2010 mit sechs Toten, darunter mehrere Todesfälle im Februar nach starkem Schneefall.

Auch wenn die Statistik zuletzt positiv ausfiel: Das Risiko ist weiterhin real. Und eine schneereiche Phase – wie etwa im Jänner 2019 – kann jederzeit auch in Vorarlberg wieder zu dramatischen Szenen führen.

Ausrüstung hilft – aber ersetzt kein Wissen

Laut Ebner sind Notfallausrüstungen heute Standard – insbesondere LVS-Gerät, Sonde, Schaufel und Mobiltelefon. "Ab etwa 350 Euro ist man mit einem Basisset dabei", erklärte er. Wer in steileres Gelände vorstößt, sollte zusätzlich über einen Lawinenairbag-Rucksack nachdenken – auch wenn dieser keinen absoluten Schutz bietet. "Die Technik hilft – aber sie kann auch zu falscher Sicherheit verleiten", warnte Ebner.

Wichtig sei vor allem der richtige Umgang mit der Ausrüstung – und das will gelernt sein. Fast alle alpinen Organisationen bieten mittlerweile Kurse an. "Übung macht den Unterschied, im Ernstfall zählt jede Minute."

Allein unterwegs? Ein lebensgefährlicher Fehler

Ein zentrales Problem sei nach wie vor das Tourengehen in Einzelunternehmen. "Wer allein unterwegs ist, kann im Ernstfall nicht gerettet werden", so Ebner. Die sogenannte Kameradenrettung sei entscheidend – in den ersten 15 bis 20 Minuten nach einer Verschüttung. Danach sinken die Überlebenschancen rapide. Zu oft würden Alleingänger erst Stunden später als vermisst gemeldet.

Der Winter 2025/26 mahnt zur Wachsamkeit

Die aktuelle Entwicklung zeigt deutlich: Der Rückgang der Lawinentoten ist kein Selbstläufer. Trotz besserer Ausrüstung und zunehmendem Wissen bleiben Lawinen eine der größten Gefahren im alpinen Raum. Die Saison 2025/26 ist ein Warnsignal – an Profis und Hobby-Tourengeher gleichermaßen.

Hier geht es zum aktuellen Lawinenlagebericht:

>> Hier geht es zu den historischen Lawinendaten für Vorarlberg und Tirol seit 2015 <<

(VOL.AT)

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