Der Weltcup-Zirkus kehrt zurück ins Montafon. Bereits zum 14. Mal macht die internationale Snowboardcross-Elite am Grasjoch Station. Gefahren wird allerdings erst zum elften Mal, vier Rennen mussten in der Vergangenheit wegen zu hoher Temperaturen und Schneemangels abgesagt werden. In der Saison 2023/24 standen dafür sogar zwei Bewerbe im Rennkalender.
Für die Vorarlberger ist das Montafon mehr als nur ein Weltcup-Ort. Es ist Heimspiel. Und es ist ein gutes Pflaster. Sechsmal ging der Sieg bisher an einen Athleten aus dem Ländle. Markus Schairer triumphierte 2013/14, Alessandro Hämmerle krönte sich in den Saisonen 2015/16, 2019/20, 2021/22 sowie zweimal 2023/24 zum Champion.
Hämmerle will erneut ganz oben stehen
Jetzt greift der 32-Jährige nach Heimsieg Nummer sechs. Nach seinem Triumph bei den Olympischen Spielen in Livigno zählt Hämmerle auch heuer zum engsten Favoritenkreis. "Natürlich peile ich den nächsten Heimsieg an, es ist immer mein Ziel, zu Hause ganz oben zu stehen", sagt Hämmerle selbstbewusst.
Doch der Routinier weiß, dass der Weg dorthin alles andere als einfach wird. "Es gibt einige Athleten, die bei Olympia leer ausgegangen sind und jetzt natürlich brennend heiß sind, zu zeigen, dass sie es auch draufhaben. So war es bei mir auch, als ich 2018 bei den Olympischen Spielen in Südkorea keine Medaille gewonnen habe. Danach habe ich im Weltcup alles abgerissen", erinnert sich Hämmerle.
Vor allem die französischen Fahrer wie Aidan Chollet oder Jonas Chollet hat er im Blick. "Aber auch der Kanadier Eliot Grondin ist auf solchen Strecken immer heiß."
Eine Strecke wie gemacht für Gefühl
Mit "solchen" Strecken meint Hämmerle die spezielle Charakteristik des Kurses am Grasjoch. Das Grundlayout ähnelt jenem der vergangenen Jahre, doch der Start wurde verändert, die Strecke ist insgesamt sprunglastiger.
"Das Grundlayout ist ähnlich wie in den letzten Jahren, der Start hat aber eine andere Charakteristik und die Strecke ist sprunglastiger. Es wird spannend, wie es sich mit dem Windschatten verhalten wird. Das wird man sich strategisch anschauen müssen. Der Schnee wird sicher etwas weich werden, weil es sehr warm ist. Ich mag das aber sehr gerne, da braucht man ein gutes Gefühl für den Belag. Es ist ein bisschen wie surfen. Das sollte mir eigentlich liegen."
Ein Satz, der hängen bleibt. Surfen im Montafon. Wer Hämmerle kennt, weiß, dass er genau dieses Gefühl sucht. Flow statt Kampf. Kontrolle statt Risiko.
Fast wieder ganz gesund
Bei den Olympischen Spielen hatte Hämmerle noch mit einer Krankheit zu kämpfen. Ganz ausgestanden ist sie noch nicht, doch sie bremst ihn nicht mehr.
"Ein bisschen Halskratzen habe ich noch. Das ist aber nicht der Rede wert, sportlich bin ich super drauf. Seit den Olympischen Spielen geht es Schlag auf Schlag, da verschleppt man so was schnell einmal über ein paar Wochen", sagt er vor seinem Heimrennen.
Am Donnerstag besichtigte er bereits den Kurs, am Freitag steht das erste Training an.
Mit Blick auf die Heim-WM
Dass in einem Jahr die Weltmeisterschaft im Montafon stattfinden wird, schwingt im Hinterkopf mit. "Jetzt nach den Olympischen Spielen rückt die WM immer mehr in den Vordergrund. Ich werde auf jeden Fall ein wenig vorfühlen, wie es nächstes Jahr sein könnte. Das Grundlayout der Strecke sollte ähnlich werden."
106 Weltcup-Rennen hat Hämmerle bisher bestritten, 34-mal stand er auf dem Podest, 18-mal ganz oben. Sein Weltcup-Debüt feierte er übrigens ebenfalls in Vorarlberg, am 7. Dezember 2010 in Lech. Damals fuhr er auf Rang 43. Ein weiter Weg bis ganz nach oben.
Gesamtweltcup noch offen
Nach dem Heimweltcup gönnt sich Hämmerle eine Woche Pause in Vorarlberg, ehe es zum Weltcup-Finale nach Kanada geht. Im Skigebiet Mont Sainte-Anne nahe Quebec stehen am 28. und 29. März die letzten beiden Saisonrennen auf dem Programm.
Im Gesamtweltcup liegt Hämmerle derzeit auf Rang fünf, 92 Punkte hinter Spitzenreiter Adam Lambert aus Australien. Drei Rennen sind noch ausständig. Das letzte Wort ist also noch nicht gesprochen. Mit einem starken Saisonendspurt könnte sogar der vierte Gesamtweltcupsieg noch einmal Thema werden.
Neben Hämmerle geht auch Lokalmatador Elias Leitner im Montafon an den Start. Nach Rang 30 im Vorjahr will er heuer vor heimischem Publikum aufzeigen.
Das Montafon ist bereit. Die Strecke steht. Und einer hat ein klares Ziel: wieder ganz oben. Zu Hause.
(VOL.AT)