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Skandal um sexuelle Gewalt an Pariser Kindergärten und Schulen - 16 Festnahmen

Ermittlungen gegen über 100 Einrichtungen.
Ermittlungen gegen über 100 Einrichtungen. ©AFP
Der Skandal um massenhafte sexuelle Gewalt an Pariser Kindergärten und Grundschulen weitet sich aus.

Alleine in Zusammenhang mit Vorwürfen bezüglich eines öffentlichen Kindergartens im Stadtzentrum wurden vergangene Woche 16 Menschen festgenommen und in Polizeigewahrsam genommen, teilte die Staatsanwaltschaft in Paris mit.

Den Betroffenen würden Vergewaltigungen von Minderjährigen, sexuelle Übergriffe auf Minderjährige und Gewalt gegen Minderjährige vorgeworfen. Einige der Festgenommenen seien bereits von der Arbeit suspendiert gewesen.

Seit Monaten werden Eltern und Politiker in Paris von Berichten über Gewalt und Missbrauch in den Schülerhorten der Stadt aufgewühlt, denen wohl nicht immer konsequent nachgegangen wurde. Die Missbrauchsproblematik war in der Hauptstadt auch kürzlich Thema im Kommunalwahlkampf.

Bereits seit Monaten standen Vorwürfe im Raum

Dass es in der außerschulischen Betreuung in Paris massive Probleme geben könnte, war laut französischen Medien spätestens seit dem Vorjahr bekannt. Mehrere Familien hatten damals mutmaßliche Fälle sexuellen Missbrauchs an Kindern gemeldet. Unter dem Hashtag #MeTooEcole schlossen sich betroffene Eltern zusammen, um öffentlichen Druck aufzubauen.

Breite Aufmerksamkeit erhielt der Fall schließlich im Jänner durch die TV-Sendung "Cash Investigation". Journalisten hatten dabei verdeckt in der Vorschule Saint-Dominique gefilmt. Auf den Aufnahmen sollen Betreuer verbale Gewalt gegen Kinder angewendet oder sich unangemessen verhalten haben. Eine Mitarbeiterin soll etwa einen kleinen Buben auf den Mund geküsst haben, andere seien während der Betreuung mit ihren Handys beschäftigt gewesen.

Nach Ausstrahlung der Sendung meldeten sich zahlreiche weitere Eltern bei den Behörden.

Ermittlungen gegen über 100 Einrichtungen

Gegen 84 Kindergärten, rund 20 Grundschulen und 10 Kinderhorte seien Ermittlungen aufgenommen, hatte die Pariser Staatsanwältin Laure Beccuau vergangene Woche im Interview dem Sender RTL gesagt. "Alle Pariser Arrondissements sind betroffen." Wie der neue Pariser Bürgermeister Emmanuel Grégoire Anfang April mitgeteilt hatte, sind alleine seit Jahresbeginn 78 Schülerbetreuer von der Arbeit suspendiert worden, 31 davon wegen des Verdachts sexueller Gewalt. 2025 wurden 30 Betreuer suspendiert, 16 davon wegen des Verdachts sexueller Gewalt.

Die etwa 14.000 Betreuerinnen und Betreuer sind in den meisten Fällen auf Honorarbasis angestellt. Für die Stellen ist keine spezielle Ausbildung erforderlich.

20 Mio. Euro für Aktionsplan

Der Bürgermeister kündigte einen Aktionsplan im Volumen von 20 Millionen Euro an, der ein schnelles und transparentes Melden von Verdachtsfällen, die Einbeziehung und Betreuung der Eltern und bauliche Verbesserungen beinhaltet. "Wir müssen alles von Grund auf neu überdenken, mit einem Ziel vor Augen: Nulltoleranz", sagte der neue sozialistische Bürgermeister.

Die Betreuung von Volksschulkindern während der Mittagspause und nach dem Unterricht wird in öffentlichen Schulen zum großen Teil von den Kommunen organisiert. In den vergangenen Monaten wurden in Paris immer mehr Verdachtsfälle bekannt. Viele Betroffene beschwerten sich, dass ihre Warnhinweise nicht ernst genommen worden seien.

(APA, dpa)

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