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So entscheiden Mücken, wen sie stechen

Wissenschaftler analysieren Flug- und Angriffsverhalten von Mücken
Wissenschaftler analysieren Flug- und Angriffsverhalten von Mücken ©Canva
US-Forscher zeigen: Mücken greifen nicht zufällig an. Entscheidend ist eine bestimmte Kombination aus Reizen. Die Studie erklärt, wann die Insekten besonders aggressiv werden und warum Kopf und Schultern oft betroffen sind.

Sie wirken wie ein koordinierter Angriff, tatsächlich handelt jede Mücke für sich. Ein Forschungsteam des Georgia Institute of Technology und des MIT hat herausgefunden: Mücken folgen keinem Schwarmverhalten.

Stattdessen reagieren sie unabhängig auf dieselben Umweltreize. Treffen diese zusammen, landen viele Tiere gleichzeitig am selben Ort. Das Ergebnis wirkt wie abgesprochen, ist es aber nicht. Professor David Hu vergleicht das mit einem gut besuchten Lokal: "Sie fühlen sich von denselben Reizen angezogen: Getränke, Musik und die Atmosphäre. Das Gleiche gilt für Mücken."

Zwei Reize entscheiden über Angriff oder Abflug

Im Zentrum der Studie standen Gelbfiebermücken (Aedes aegypti), eine weltweit verbreitete Art. Mithilfe von 3D-Infrarotkameras analysierten die Forscher ihr Flugverhalten. Reagieren die Insekten nur auf visuelle Reize wie dunkle Objekte, fliegen sie zwar darauf zu, bleiben aber nicht. Ist hingegen ausschließlich Kohlendioxid aus der Atemluft vorhanden, nähern sie sich vorsichtig, ohne gezielt anzugreifen.

Erst die Kombination aus beidem verändert ihr Verhalten grundlegend. Treffen dunkle Kontraste und ausgeatmetes Kohlendioxid zusammen, wird die Situation für die Mücken "unwiderstehlich" – sie sammeln sich, bleiben in der Nähe und stechen zu, wie die Forscher berichten.

Warum es oft Kopf und Schultern trifft

Ein weiterer Versuch bringt eine alltägliche Beobachtung wissenschaftlich auf den Punkt: Mücken stechen häufig im oberen Körperbereich.

In einem Experiment stellte sich ein Forscher in Schutzkleidung in die Testkammer. Die Auswertung zeigte eindeutig: Kopf und Schultern wurden am stärksten umflogen. Der Grund liegt nahe: Dort treffen die zwei entscheidenden Faktoren zusammen, Atemluft (Kohlendioxid) und sichtbare Kontraste.

Schwarmverhalten bei Mücken gibt es nicht. ©Canva

Neue Ansätze im Kampf gegen Mücken

Die Erkenntnisse könnten praktische Folgen haben. Bisherige Mückenfallen arbeiten meist mit konstantem Licht oder durchgehendem CO₂-Ausstoß. Die Studie legt jedoch nahe, dass wechselnde Reize effektiver sein könnten.

"Es könnte besser sein, diese Mittel mit Unterbrechungen einzusetzen", erklärte Forscher Christopher Zuo. Denn Mücken bleiben offenbar nur dann in der Nähe, wenn beide Reize gleichzeitig auftreten.

Die unterschätzte Gefahr

Mücken sind nicht nur lästig. Weltweit zählen sie zu den gefährlichsten Tieren überhaupt. Krankheiten wie Malaria, Dengue oder Zika fordern laut Schätzungen jährlich mehr als 700.000 Todesopfer. Umso wichtiger ist es, ihr Verhalten besser zu verstehen, auch hierzulande, wo sich durch den Klimawandel zunehmend neue Arten ausbreiten.

(VOL.AT)

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