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"So etwas sollte man nicht erleben" – Jetzt spricht der Feuerwehrkommandant über die Nacht in Crans-Montana

"Wir mussten entscheiden, wen wir retten" – Feuerwehrchef über Silvester-Inferno.
"Wir mussten entscheiden, wen wir retten" – Feuerwehrchef über Silvester-Inferno. ©Screenshot/SRF
In der Silvesternacht rettete die Feuerwehr von Crans-Montana zahlreiche Menschen aus den Flammen. In einem emotionalen Interview mit SRF spricht Feuerwehrkommandant David Vocat über Entscheidungen zwischen Leben und Tod – und darüber, ob er seinen Beruf noch ausüben kann.
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Barkeeper warnte vor Chaos – jetzt kämpft er um sein Leben

Um 1.30 Uhr in der Silvesternacht schien alles überstanden. "Wir sagten, es ist gut, wir können gehen – zum Glück ist nichts passiert", schildert David Vocat im Interview mit SRF. Fünf Minuten später kam der Alarm. Explosion. Feuer. Chaos im Gebäude "Le Constellation".

David Vocat im Interview mit SRF. ©Screenshot/SRF

Vocat, seit elf Jahren Feuerwehrkommandant und seit über der Hälfte seines Lebens Feuerwehrmann, organisierte den Einsatz. Der diensthabende Offizier fuhr sofort los, Vocat bereitete die Mannschaft vor. Sein klarer Auftrag: Die Einsatzkräfte sollten direkt in die Bar gehen – um Menschen zu retten.

"Wohin sollen wir sie bringen?"

Als Vocat am Einsatzort ankam, schlugen ihm Schreie entgegen. "Wohin sollen wir sie bringen? Man muss sie retten!", riefen die Menschen. Verletzte, Sterbende, Tote. Es gab keinen anderen Ort. "Wir haben sie in eine Bar gegenüber gebracht – auch Verletzte und Leute, die dort starben", sagt Vocat gegenüber SRF.

©Screenshot/SRF

Dann die Entscheidungen, die niemand treffen möchte. "Es ist schwer, eine Person am Boden liegen zu lassen und zu sagen: Leider ist es jetzt zu spät. Wir müssen uns um die kümmern, die noch zu retten sind." Andere seien gestorben. Vocat kämpft mit den Tränen. Er ist sichtlich aufgelöst.

150 Einsatzkräfte – und Zivilcourage

Am Ende standen 150 Rettungskräfte, 42 Ambulanzfahrzeuge und 13 Helikopter im Einsatz. Viele der Verletzten hatten schwere Brandverletzungen. "Es war schwer, sie herauszubekommen – aufgrund ihrer schweren Verbrennungen", sagt Vocat. Besucher halfen mit, improvisierten, trugen Verletzte mit Terrassenmöbeln aus dem Gebäude. "Junge Menschen haben andere junge Menschen gerettet. Das war großartig."

Junge Menschen halfen mit, die Verletzten mit Hilfe von Terrassenmöbeln hinauszutragen. ©AFP

"Wir sind auch nur Menschen"

Die Nacht hat Spuren hinterlassen. "Ich schlafe nicht viel", sagt Vocat offen. Als Kommandant versuche er zu kämpfen, für seine Männer und Frauen da zu sein. "Der Chef muss Vorbild sein." Doch auch er hat Grenzen. "Ich habe gestern meine Freunde gesehen – ich bin zusammengebrochen. Wir sind auch nur Menschen. So etwas sollte man nicht erleben."

Besonders eindringlich sind seine Zweifel. "Wie macht man weiter? Ich weiß nicht, ob ich weiterarbeiten kann." Dann ein Satz, der hängen bleibt: "Ich liebe das Leben, die Menschen – ich liebe nicht den Tod. Das ist das, was schwierig ist. Ich brauche jetzt erstmal Zeit für mich."

Rund 500 WhatsApp-Nachrichten habe er nach dem Einsatz erhalten, erzählt Vocat. Menschen, die Danke sagen. Doch für ihn ist klar: "Man muss allen danken, die im Einsatz waren."

Schneller Einsatz – aber nicht der Normalfall

Dass die Feuerwehr in dieser Nacht so rasch reagieren konnte, war kein Zufall. Für Silvester war man vorbereitet. "Wir hatten etwa ein Dutzend Leute auf der Wache. Normalerweise ist die Situation nicht so", sagte Vocat zuvor gegenüber RTS. An normalen Tagen müssten viele Einsatzkräfte erst von zu Hause oder der Arbeit kommen – wertvolle Zeit gehe verloren.

Andere Walliser Feuerwehrleute berichteten RTS anonym von Personal- und Ressourcenmangel. Einsätze könnten sich dadurch um bis zu 25 Minuten verzögern. Empfohlen wären in der Schweiz maximal 15 Minuten und mindestens sechs Einsatzkräfte – ein Wert, der im Wallis oft nicht erreicht werde.

(VOL.AT)

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