So geht's den Bienen ein Jahr nach der Amerikanischen Faulbrut
Ein Bakterium hat im Vorjahr in Vorarlberg ganze Bienenvölker befallen. Was sich seither getan hat und welche neue Gefahr den Imkern jetzt Sorgen macht.
"Wir haben ein gutes Honigjahr", sagt Imker Markus Beck, der auch für den Liechtensteiner Imkerverein tätig ist. Keine Selbstverständlichkeit nach dem Ausbruch der Amerikanischen Faulbrut im Vorjahr, einem Bakterium, das ganze Bienenstämme hinraffte. "Faulbrut ist heuer gar kein Thema", bestätigt Helmut Graf, Landesgesundheitsreferent des Imkerverbands Vorarlberg und selbst Imker in Innerbraz.
Die drei Fälle in St. Gerold, Röthis und im Bregenzerwald (Au, Schoppernau) seien saniert, die Sperrkreise rund um die betroffenen Völker wieder aufgehoben. Den Bienen stehe 2026 ein gutes Angebot an Nektar, Pollen und Honigtau zur Verfügung, zudem gebe es Fortschritte im Kampf gegen die Varroamilbe.
Auch Markus Nußbaumer, Bezirksobmann für den Bregenzerwald, bestätigt die Entspannung, wenn auch mit Vorbehalt: "Momentan gibt es hierzulande keinen Fall von Faulbrut." Der Erreger sei grundsätzlich immer vorhanden, wie ein Grippevirus, aber aktuell nicht ausgebrochen.
Ein Bakterium zersetzt die Larven
Bei der Amerikanischen Faulbrut befällt das Bakterium Paenibacillus larvae die Bienenbrut. Larven schlüpfen aus den Eiern und werden von den Arbeiterinnen des Bienenvolks mit Nektar oder Pollen gefüttert. Hat das Bakterium die Larven befallen, sterben diese noch im Kokon. Der Amtstierarzt entscheidet, ob ein stark befallenes Volk durch Schwefel abgetötet werden muss oder sanierungsfähig ist.
Dann werden alle lebenden Bienen in eine neue Box gefegt und zwei bis drei Tage dort hungern gelassen, bis sie das belastete Futter aufgebraucht haben, erklärt Nußbaumer. "Dann ist der Erreger abgetötet und die Bienen kommen in eine neue Kiste." Zusätzlich wird im Umkreis von drei Kilometern jedes Volk zweimal kontrolliert, bevor die Sperrzone aufgehoben wird. Das dürfen laut Nußbaumer nur ausgebildete Sachverständige, nicht die Imker selbst.
Keine Auswirkungen auf Honig
Einer dieser Sachverständigen ist Markus Beck. Er ist für den Bezirk Bludenz zuständig und bestätigt, dass das Bakterium keinerlei Auswirkung auf den Menschen hat. Auch der Honig, den man kauft, ist davon nicht betroffen. "Die Leute müssen sich keine Sorgen machen", betont Beck.
Weitere Gefahren für die Biene
Neue Sorgen bereitet dagegen die Asiatische Hornisse (Vespa velutina). In Lustenau wurde erst am Donnerstag, 23. Juli, ein weiterer Fund gemeldet, der laut Nußbaumer laufend kontrolliert werde. Der Imker sieht die Art als wachsende Bedrohung: Ein Bienenstand könne binnen einer Woche leergeräumt werden.
Die Kosten für einen neuen Bienenstamm mit mehreren Völkern summieren sich schnell: Ein einziges neues Volk mit Königin koste zwischen 200 und 250 Euro. "Dann weiterzumachen ist schwierig. Auch andere Schädlinge nehmen zu", so Nußbaumer.
Die größte Dauerbaustelle bleibt laut Graf aber die Varroamilbe. Sie überträgt Viren, die die Brut schädigen. So kann ein ganzes Volk aussterben, weil auch die sogenannten Winterbienen zugrunde gehen, die das Volk über den Winter bringen. Statt Chemie setzen Imker zunehmend auf biotechnische Verfahren wie das Fangwabenverfahren oder entnehmen die Brut.
Zudem sollen vermehrt varroaresistente Bienen gezüchtet werden, so Graf. So soll sichergestellt werden, dass die 1500 Imker und ihre 12.000 Bienenvölker in Vorarlberg weiterhin die Bestäubung von Obstblüten garantieren. Bienen sind aber nicht nur für Obst und Gemüse wichtig, sondern erhalten auch den Lebensraum für andere Tiere wie Vögel und Insekten.
(VOL.AT/Isabel Lochbühler)