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Sommerferien auf dem Prüfstand: Sind neun Wochen zu lang?

Die Sommerferien gelten als die schönste Zeit des Jahres - zumindest für Schülerinnen und Schüler.
Die Sommerferien gelten als die schönste Zeit des Jahres - zumindest für Schülerinnen und Schüler. ©Canva Pro / Themenbild
Neun Wochen Sommerferien sind für Österreichs Schülerinnen und Schüler ein Fixpunkt des Jahres. Für viele Familien werden sie jedoch zunehmend zur organisatorischen und finanziellen Belastungsprobe.

Eine aktuelle Studie zeigt: Die Mehrheit der Bevölkerung sieht Reformbedarf.

Viele Österreicher wünschen sich kürzere Sommerferien

Die Diskussion um die Länge der Sommerferien gewinnt erneut an Fahrt. Laut einer repräsentativen Umfrage des Digital Research Instituts Marketagent unter 1.000 Österreicherinnen und Österreichern hält nahezu jede zweite befragte Person die derzeitigen neun Wochen Sommerferien für zu lang. 49 Prozent sprechen sich für eine Verkürzung aus, während 43 Prozent die aktuelle Dauer als passend empfinden. Nur acht Prozent würden sich sogar noch längere Ferien wünschen.

Wer eine Änderung befürwortet, sieht eine Ferienzeit von durchschnittlich 6,6 Wochen als ideal an. Über alle Befragten hinweg liegt die gewünschte Dauer bei 7,6 Wochen – deutlich unter der derzeitigen Regelung.

Zwischen Erholung und Betreuungsstress

Die Sommerferien werden von vielen Menschen weiterhin als wichtige Auszeit für Kinder angesehen. 86 Prozent der Befragten bezeichnen die lange Ferienzeit als bedeutende Erholungsphase. Auch ihr Traditionswert ist hoch: 71 Prozent verbinden die Sommerferien mit positiven Erinnerungen, Entspannung und Familienzeit.

Für berufstätige Eltern schwer zu bewältigen

Gleichzeitig zeigen die Ergebnisse die Kehrseite der langen Pause. 84 Prozent der Befragten sind überzeugt, dass die Sommerferien für viele Familien erheblichen organisatorischen Druck verursachen. Für 89 Prozent sind die neun Wochen insbesondere für berufstätige Eltern schwer zu bewältigen.

Als größte Herausforderung nennen 60 Prozent die Vereinbarkeit von Beruf und Kinderbetreuung. Mehr als die Hälfte der Befragten ist zudem der Meinung, dass genau dieser Aspekt in der öffentlichen Diskussion zu wenig Beachtung findet.

"Die Sommerferien werden nach wie vor als wichtige Erholungsphase für Kinder gesehen und genießen einen hohen Traditionswert. Gleichzeitig erleben viele Familien die lange Ferienzeit als finanziell und organisatorisch belastend. Unsere Studie zeigt, dass die Bevölkerung die Debatte nicht als reine Bildungsfrage betrachtet, sondern als gesellschaftliche Herausforderung, die Familien, Arbeitgeber und öffentliche Institutionen gleichermaßen betrifft", analysiert Thomas Schwabl, Gründer und Geschäftsführer von Marketagent.

Die Mama wird's schon richten

Die Umfrage zeigt auch deutliche Unterschiede bei der wahrgenommenen Rollenverteilung innerhalb der Familien. 46 Prozent der Befragten sind der Ansicht, dass vor allem Mütter die Verantwortung für Betreuung und Organisation während der Sommerferien übernehmen. Nur ein Drittel sieht beide Elternteile gleichermaßen in der Pflicht.

"Die Ergebnisse lassen darauf schließen, dass die Ferienbetreuung nach wie vor stark entlang klassischer Rollenbilder organisiert wird. Obwohl sich Familienmodelle und Erwerbsbiografien in den letzten Jahren deutlich verändert haben, wird die Verantwortung für die Sommerferien in der öffentlichen Wahrnehmung noch immer stark bei den Müttern verortet", erklärt Andrea Berger, Research & Communications Manager bei Marketagent.

Ferien werden zunehmend zum Kostenfaktor

Neben organisatorischen Herausforderungen belasten die Sommerferien auch die Haushaltsbudgets vieler Familien. 72 Prozent der Eltern mit Kindern im Kindergarten- oder Pflichtschulalter berichten von zusätzlichen Kosten während der Ferienzeit.

Wer auf organisierte Ferienbetreuung wie Camps oder Sommerprogramme zurückgreift, bezahlt dafür durchschnittlich 454 Euro pro Kind. Gleichzeitig sehen 59 Prozent der Befragten die Gefahr, dass lange Sommerferien soziale Unterschiede verstärken könnten, da nicht alle Familien dieselben finanziellen Möglichkeiten für Betreuung, Freizeitangebote oder Urlaube haben.

Factbox: Sommerferien in Zahlen

  • 49 Prozent halten die Sommerferien für zu lang
  • 84 Prozent sehen hohen organisatorischen Druck für Familien
  • 89 Prozent finden die Ferien für berufstätige Eltern schwer organisierbar
  • 60 Prozent nennen die Vereinbarkeit von Beruf und Betreuung als größte Herausforderung
  • 46 Prozent sehen Mütter in der Hauptverantwortung
  • 72 Prozent berichten von zusätzlichen Kosten
  • 454 Euro pro Kind betragen die durchschnittlichen Ausgaben für Ferienbetreuung
  • 42 Prozent nutzen Großeltern oder Verwandte als Betreuungsnetzwerk

Ohne Großeltern geht es oft nicht

Für viele Familien sind Großeltern unverzichtbar. 42 Prozent der Eltern geben an, während der Sommerferien auf die Unterstützung von Verwandten zurückzugreifen. Daneben werden Urlaubstage, flexible Arbeitszeitmodelle oder Homeoffice genutzt, um die Betreuung der Kinder sicherzustellen.

Die Ferienzeit wird damit für viele Familien zu einem organisatorischen Kraftakt, bei dem unterschiedliche Betreuungsformen kombiniert werden müssen.

Mehr Unterstützung statt radikaler Reformen

Trotz der Kritik an der Dauer der Sommerferien setzt die Bevölkerung nicht ausschließlich auf eine Verkürzung. Gefragt nach möglichen Lösungen wünschen sich 45 Prozent mehr Unterstützung für berufstätige Eltern. 40 Prozent sprechen sich für leistbare Ferienbetreuung aus, 39 Prozent für kostenlose Sommerprogramme.

Der Status quo findet hingegen nur wenig Zustimmung: Lediglich 16 Prozent der Befragten möchten die aktuelle Ferienregelung unverändert beibehalten.

Die Ergebnisse zeigen damit ein differenziertes Bild: Die Sommerferien werden als wichtige Erholungszeit geschätzt. Gleichzeitig wächst der Wunsch nach Lösungen, die Familien bei Betreuung, Organisation und Kosten stärker entlasten.

(VOL.AT)

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