Stromgemeinschaften in Vorarlberg verdoppelt, aber Schlusslicht im Bundesland
Diese Gemeinschaften ermöglichen es Haushalten, Betrieben und Gemeinden, Strom, meist aus Photovoltaikanlagen, gemeinsam zu nutzen und zu verkaufen. Trotz des starken Zuwachses weist Vorarlberg die wenigsten Gemeinschaften Österreichs auf, was auf die vergleichsweise niedrigen Strompreise des Landes zurückzuführen ist, so der ORF.
Zuwachs an Energiegemeinschaften in Vorarlberg
Von elf im Sommer 2023 auf mittlerweile 144. Diese Gemeinschaften bündeln die Kräfte von Haushalten, Betrieben und Gemeinden, um Strom, vorwiegend aus Photovoltaikanlagen, gemeinsam zu nutzen und zu verwalten. Überschüssiger Strom kann direkt innerhalb der Gemeinschaft verkauft werden.
Vorarlberg verzeichnet im österreichweiten Vergleich die geringste Anzahl an Energiegemeinschaften. Dies liegt paradoxerweise an den niedrigeren Strompreisen des Landes, die den finanziellen Anreiz für das gemeinsame Stromteilen reduzieren. Niederösterreich führt die Statistik mit 958 Gemeinschaften an, gefolgt von Wien mit 165.
Wirtschaftlichen Rahmenbedingungen verschlechtert
Unter anderem durch eine Senkung der Elektrizitätsabgabe für Haushalte, was frühere Kostenvorteile für EEG-Teilnehmer schmälert, so Dieter Bischof vom Energieinstitut Vorarlberg. Aktuell ist es laut Bischof weniger der Profit als vielmehr der Gemeinschaftsgedanke, der die Vorarlberger zur Gründung von Energiegemeinschaften motiviert. Viele möchten die Energiewende aktiv mitgestalten und sicherstellen, dass regional erzeugter Strom auch in der Region verbleibt.
Vertreter der Solarbranche sehen in Energiegemeinschaften eine Möglichkeit, bessere Einspeisetarife zu erzielen. Klassische Einspeisungen ins Netz führen oft zu geringen Erträgen zur Mittagszeit, wenn durch hohe PV-Produktion ein Stromüberangebot herrscht. Der Landesversorger illwerke vkw hält dem entgegen, dass Bestandskundinnen und Bestandskunden weiterhin hohe fixe Einspeisetarife angeboten werden.
Das dynamische Preismodell sei für Kundinnen und Kunden mit eigener Verbrauchsoptimierung, beispielsweise durch Batteriespeicher, gedacht. Eine weitere Option ist die Einspeisung über die ÖMAG. Für die Zukunft wird mit einem weiteren Anstieg von Energiegemeinschaften gerechnet.
Über 90 Prozent der Vorarlberger Haushalte verfügen über Smart Meter, eine technische Voraussetzung für die Abrechnung in Gemeinschaften. Ein neues Gesetz soll zudem die Gründung erleichtern, indem es "Peer-to-Peer"-Modelle ermöglicht, bei denen Strom direkt von Nachbarn geteilt werden kann, ohne die Notwendigkeit eines Vereins, wie Energieberater Dieter Bischof berichtet.
(VOL.AT)