Kreuzfahrten gelten als Inbegriff von Erholung und Sicherheit. Doch auch auf hoher See kommt es zu Straftaten. Eine neue Studie zeigt, welche Delikte am häufigsten vorkommen.
Sonne, Meer und entspannte Urlaubstage – mit diesem Versprechen werben Kreuzfahrtanbieter weltweit. Doch auch auf Kreuzfahrtschiffen bleibt Kriminalität nicht aus. Wie groß das Problem tatsächlich ist, darüber gehen die Einschätzungen von Wissenschaft und Branche allerdings auseinander.
Professor Dominic Kudlacek von der Hochschule Bremerhaven untersuchte das Thema in seiner Studie "Crime at Sea". Dafür führte er Interviews mit 15 ehemaligen Crewmitgliedern verschiedener Kreuzfahrtschiffe. Nach deren Schilderungen zählen Diebstähle zu den häufigsten Straftaten an Bord. An zweiter Stelle stehen sexuelle Übergriffe, die den Befragten zufolge überwiegend Crewmitglieder betreffen. Deutlich seltener seien hingegen Schmuggel, Drogendelikte oder Fälle von Vandalismus.
Kudlacek kritisiert zudem, dass staatliche Behörden vielfach erst bei besonders schweren Delikten eingeschaltet würden. Gegenüber der "Frankfurter Rundschau" erklärte er: "Vorfälle werden an die Vorgesetzten gemeldet. Behörden werden nur bei schwerwiegenden Fällen informiert, wie bei sexuellen Übergriffen, die durch Aufnahmen der Bordkameras auch belegt werden können."
Kreuzfahrtverband weist Kritik zurück
Der internationale Kreuzfahrtverband CLIA widerspricht dieser Darstellung. Gegenüber "USA Today" betont der Verband, Straftaten auf Kreuzfahrtschiffen seien selten. Die Sicherheit von Gästen und Besatzung habe oberste Priorität. Rund um die Uhr seien Sicherheitskräfte im Einsatz, unterstützt durch Kameraüberwachung und festgelegte Sicherheitsabläufe.
Auch die großen Reedereien verweisen auf ihre umfangreichen Sicherheitskonzepte. TUI Cruises erklärt, dass auf allen Schiffen der Flotte eine eigene Security-Abteilung tätig sei. Geleitet werde diese von einem Chief Security Officer, der in der Regel über eine polizeiliche oder militärische Ausbildung sowie entsprechende Ermittlungserfahrung verfüge.
AIDA Cruises verweist ebenfalls auf ein internationales Team speziell ausgebildeter Sicherheitskräfte, das jederzeit Maßnahmen zum Schutz von Passagieren, Crew und Schiff ergreifen könne.
Kapitän kann Straftäter festsetzen
Kommt es dennoch zu einer Straftat, stehen Passagieren rund um die Uhr Ansprechpartner beim Gästeservice oder der Sicherheitsabteilung zur Verfügung.
In bestimmten Fällen verfügt auch der Kapitän über weitreichende Befugnisse. Nach Angaben von CLIA-Deutschlandchef Helge Grammerstorf kann er Verdächtige bis zum nächsten Hafen festsetzen. Gegenüber "TRAVELBOOK" erklärte er, dass dafür auf Kreuzfahrtschiffen meist die eigene Kabine genutzt werde, die von außen verschlossen werden könne. Separate Arrestzellen seien vor allem auf Fährschiffen üblich.
Am nächsten Hafen wird die festgesetzte Person in der Regel den zuständigen Behörden übergeben. Welches Recht anschließend zur Anwendung kommt, hängt vom jeweiligen Hafenstaat und den rechtlichen Zuständigkeiten ab. Wer etwa während einer Karibik-Kreuzfahrt in einem mexikanischen Hafen festgenommen wird, muss mit einem Strafverfahren nach den dort geltenden Gesetzen rechnen.
(VOL.AT)