Thailand verkürzt visafreien Aufenthalt drastisch
Thailand zieht bei seinen Visa-Regeln die Bremse an. Die Regierung in Bangkok will den visafreien Aufenthalt für Reisende aus mehr als 90 Staaten künftig wieder auf 30 Tage begrenzen. Erst im Vorjahr war die erlaubte Aufenthaltsdauer im Zuge der Tourismusoffensive nach der Corona-Pandemie auf 60 Tage ausgeweitet worden.
Von der geplanten Änderung betroffen sind unter anderem deutsche Urlauber:innen – und damit auch zahlreiche europäische Langzeitreisende, die Thailand zuletzt verstärkt als temporären Wohn- und Arbeitsort nutzten.
Regierung spricht von Missbrauch
Offiziell begründet die thailändische Regierung den Schritt mit wachsendem Missbrauch der liberalen Einreisebestimmungen. Laut lokalen Medienberichten sollen einzelne Ausländer:innen die bisherigen Regeln gezielt für illegale Geschäftstätigkeiten genutzt haben. Dabei ging es unter anderem um nicht genehmigte Hotel- oder Schulbetriebe sowie Verstöße im Zusammenhang mit Drogenkonsum.
Regierungssprecherin Jirayu Houngsub erklärte internationalen Medien zufolge, die Lockerungen hätten zwar wirtschaftliche Vorteile gebracht, gleichzeitig aber auch Kontrollprobleme verursacht. Deshalb wolle Bangkok künftig wieder strenger vorgehen.
Thailand wurde Hotspot für digitale Nomaden
Die bisherige 60-Tage-Regel hatte Thailand insbesondere für sogenannte digitale Nomaden attraktiv gemacht. Remote-Worker, Freelancer:innen und sogenannte "Workation"-Reisende nutzten Regionen wie Phuket, Chiang Mai oder Koh Samui zunehmend als längerfristigen Lebensmittelpunkt.
Das Land gilt seit Jahren als einer der weltweit beliebtesten Standorte für ortsunabhängiges Arbeiten. Ausschlaggebend dafür sind vergleichsweise niedrige Lebenshaltungskosten, eine gut ausgebaute Infrastruktur und eine stark gewachsene Co-Working-Szene.
In internationalen Expat-Rankings zählt Thailand regelmäßig zu den beliebtesten Destinationen für Langzeitaufenthalte.
Klassische Urlauber kaum betroffen
Für viele Tourist:innen aus Europa dürfte die Änderung im Alltag allerdings wenig Auswirkungen haben. Typische Urlaubsreisen dauern meist deutlich unter 30 Tagen.
Wer jedoch mehrere Monate im Land verbringen möchte, muss künftig voraussichtlich wieder auf klassische Visa-Modelle ausweichen oder zusätzliche Aufenthaltsgenehmigungen beantragen.
Gerade für Remote-Arbeitende könnte die neue Regelung zum Problem werden. Viele von ihnen kombinieren Reisen und Arbeit über längere Zeiträume hinweg und benötigen dafür flexible Aufenthaltsmöglichkeiten.
Konkurrenz um internationale Langzeitgäste
Die Entscheidung zeigt auch den zunehmenden Konkurrenzkampf asiatischer Staaten um internationale Langzeitgäste und digitale Fachkräfte. Länder wie Indonesien, Malaysia oder Vietnam bemühen sich derzeit ebenfalls gezielt um kaufkräftige Remote-Worker und mobile Fachkräfte.
Für Thailand bleibt der Tourismus dennoch ein zentraler Wirtschaftsfaktor. Rund zehn Prozent der Wirtschaftsleistung hängen direkt oder indirekt von der Branche ab.
Branchenexpert:innen gehen davon aus, dass insbesondere Airlines, Serviced Apartments, Premium-Hotels und Anbieter von Co-Working- oder Gesundheitsangeboten die Folgen der neuen Visa-Regelungen spüren könnten. Langzeitgäste gelten im Tourismus als besonders lukrative Zielgruppe, da sie deutlich mehr Geld vor Ort ausgeben als klassische Urlauber:innen.
Thailand bleibt zwar eines der wichtigsten Fernreiseziele Europas. Der Boom rund um Remote Work und globale Mobilität könnte durch die neuen Einreisebestimmungen jedoch spürbar gebremst werden.
(VIENNA.AT)