Über 100.000 Tote pro Jahr: Ein Beruf mit extremen Arbeitsbedingungen
Es sind erschreckende Zahlen: Jedes Jahr kommen mehr als 100.000 Menschen bei der Arbeit in der Fischerei ums Leben. Das geht aus einem Report der FISH Safety Foundation (FSF) hervor, der von The Pew Charitable Trusts in Auftrag gegeben wurde. Demnach sterben weltweit nahezu 300 Fischer pro Tag. Besonders gefährdet sind jene, die auf hoher See arbeiten.
Die Illusion vom idyllischen Fischerleben
Fischerei wirkt auf den ersten Blick harmlos: frische Luft, das Meer, Arbeit im Team. Dieses Bild hält der Realität jedoch selten stand. Vor allem auf hoher See ist die Arbeit von Unsicherheit, physischer Belastung und hohem Risiko geprägt. Hohe Wellen, eisige Temperaturen, schwere Maschinen, rutschige Planken und chronischer Schlafmangel bestimmen den Alltag vieler Fischer.
Hinzu kommen typische Gefahren wie Deckunfälle, Verletzungen an schweren Geräten und Netzen sowie Unterkühlung und Erschöpfung bei mehrtägigen Einsätzen. Auf dem Deck eines Krabbenkutters in der rauen See vor Alaska wird rasch deutlich, wie schmal der Grat zwischen Routine und Gefahr ist. Dass Hochseefischer regelmäßig zu den gefährlichsten Berufsgruppen zählen, überrascht daher kaum.
Strukturelle Ursachen für das hohe Risiko
Die hohe Zahl tödlicher Unfälle ist nicht allein auf die Arbeitsbedingungen an Bord zurückzuführen. Laut dem Report der FISH Safety Foundation spielen mehrere strukturelle Faktoren eine zentrale Rolle. Armut zwingt viele Menschen dazu, gefährliche Tätigkeiten anzunehmen, oft ohne ausreichende Absicherung oder Ausbildung.
Hinzu kommen geopolitische Konflikte, Überfischung sowie illegale, nicht gemeldete und unregulierte Fischerei. Der zunehmende Druck auf Fischbestände führt dazu, dass weiter draußen, länger und unter riskanteren Bedingungen gearbeitet wird. Auch der Klimawandel verschärft die Lage, etwa durch häufigere Extremwetterereignisse und unberechenbarere Fanggebiete.
Armut, Kinderarbeit und mangelhafte Ausrüstung
Besonders betroffen sind Fischerinnen und Fischer mit niedrigem Einkommen. In vielen Regionen fehlen grundlegende Sicherheitsstandards. Unsichere Boote und mangelhafte Ausrüstung erhöhen das Risiko zusätzlich. Der Report weist zudem darauf hin, dass in diesem Umfeld auch Kinder zur Arbeit gezwungen werden.
Auch jenseits der Fischerei ist die Arbeit auf See mit erheblichen Belastungen verbunden. Wer auf Frachtschiffen tätig ist, lebt oft wochen- oder monatelang an Bord. Weltweit sind rund 1,9 Millionen Seeleute im Einsatz, sie sichern den globalen Warenverkehr – von Lebensmitteln bis zu Konsumgütern.
Isolation und gesundheitliche Folgen
Die lange Abwesenheit von Familie und Freunden, wechselnde Zeitzonen und das Leben auf engem Raum prägen den Arbeitsalltag vieler Seeleute. Internationale Studien weisen darauf hin, dass psychische Erkrankungen wie Angststörungen, Depressionen und Burn-out in dieser Berufsgruppe überdurchschnittlich häufig auftreten.
Zusätzlich ist die Arbeit mit dauerhaften körperlichen Belastungen verbunden. Dazu zählen schwere körperliche Tätigkeiten, Abgase von mit Schweröl betriebenen Schiffen, starke Sonneneinstrahlung, Hitze sowie anhaltender Lärm durch Maschinen.
(VOL.AT)