UN-Bericht zeigt: Der Wasserkrieg der Zukunft hat längst begonnen
Forscher sprechen von einem „globalen Wasser-Bankrott“, bei dem mehr Wasser verbraucht als nachgeliefert wird. Besonders betroffen sind Regionen wie der Nahe Osten, Südasien und der Südwesten der USA.
Mehr Verbrauch als Nachschub
Der Begriff Wasser-Bankrott beschreibt eine Schieflage: Während Regen und Schnee das „Einkommen“ der Erde darstellen, wird deutlich mehr Wasser aus Seen, Flüssen und Grundwasserreserven entnommen, als nachkommt. Die Folge ist ein wachsender „Schuldenberg“ im Wasserkreislauf – mit dramatischen Auswirkungen: sinkende Grundwasserspiegel, ausgetrocknete Flüsse und Seen, zunehmende Wüstenbildung und Erdrutsche durch instabile Böden.
Zahlen, die alarmieren
Seit 1990 haben über 50 Prozent der großen Seen weltweit an Wasservolumen verloren. 70 Prozent der bedeutenden Grundwasserleiter befinden sich im Abwärtstrend. Binnen 50 Jahren wurde eine Feuchtgebietsfläche in der Größe der EU zerstört. Seit 1970 sind Gletscher um 30 Prozent geschrumpft. Auch dort, wo Wasser scheinbar ausreichend vorhanden ist, verschlechtert die Verschmutzung die Nutzbarkeit.
Regionale Brennpunkte
Besonders kritisch ist die Lage im Nahen Osten und Nordafrika, wo extreme Klimabedingungen mit begrenzten Wasserressourcen zusammentreffen. In Südasien sorgen die massive Nutzung von Grundwasser in der Landwirtschaft und das rasante Bevölkerungswachstum für Engpässe. In den USA ist der Colorado River ein zentrales Beispiel für ein ökologisches Gleichgewicht, das nicht mehr existiert: Die bisherigen Wasserverteilungsabkommen basieren auf Annahmen, die längst überholt sind.
Städte auf dem Trockenen
Kabul könnte laut Experten die erste moderne Großstadt sein, die komplett ohne Wasser auskommen muss. Mexiko-Stadt sinkt jährlich um rund 50 Zentimeter ab – eine Folge übermäßiger Grundwasserentnahme. Auch in Metropolen wie Los Angeles oder Teheran wird weiter gebaut, obwohl die Wasserversorgung bereits jetzt nicht gesichert ist.
Forderung nach langfristigem Umdenken
Der Bericht der UNO-Universität ruft zu einem fundamentalen Wandel auf: Landwirtschaft – der größte Wasserverbraucher – müsse reformiert werden, etwa durch den Anbau weniger durstiger Pflanzen und effizientere Bewässerungssysteme. Zudem brauche es bessere Überwachung durch moderne Technologien, Schutz von Feuchtgebieten und Maßnahmen gegen Verschmutzung.
Hoffnung auf Zusammenarbeit
Wasser könne laut den Autoren des Berichts auch verbindend wirken – als Thema, das politische Grenzen überwinden könne. Inzwischen beginne ein Umdenken: Immer mehr Staaten erkennen die zentrale Bedeutung des Wassers. Doch der Handlungsspielraum wird mit jedem Jahr kleiner.
(VOL.AT)