USA ziehen Personal aus Stützpunkten ab: Kommt jetzt der Angriff auf den Iran?
Zuvor hatte ein iranischer Regierungsvertreter gedroht, US-Stellungen anzugreifen, sollte es zu Militärschlägen gegen den Iran kommen.
Sicherheitslage spitzt sich zu
Ein hochrangiger US-Beamter erklärte gegenüber der Nachrichtenagentur Reuters, dass es sich beim Abzug um eine "Vorsichtsmaßnahme" handle. Auch CNN und weitere US-Medien berichten über entsprechende Schritte – insbesondere den Rückzug von Mitarbeitern vom Luftwaffenstützpunkt Al-Udeid bei Doha, dem größten US-Stützpunkt in der Region. Katar bestätigte die Maßnahmen offiziell und sprach von einer Reaktion auf die "aktuellen Spannungen in der Region".
Auch Großbritannien zieht nach: Wie die britische Zeitung i berichtete, wird auch von Seiten des Vereinigten Königreichs Personal vom dortigen Stützpunkt abgezogen. Ein Sprecher des Verteidigungsministeriums betonte, man kommentiere solche Maßnahmen aus Sicherheitsgründen grundsätzlich nicht – es handle sich jedoch um einen üblichen Schritt zum Schutz des Personals.
Gewaltwelle im Iran – Tausende Tote befürchtet
Im Iran selbst eskaliert währenddessen die innenpolitische Lage. Ausgelöst durch die massive wirtschaftliche Misere hat sich in den vergangenen Wochen eine breite Protestbewegung gebildet – sie richtet sich längst nicht mehr nur gegen Inflation und Arbeitslosigkeit, sondern offen gegen das autoritäre Regime in Teheran.
Die Reaktion der Sicherheitskräfte ist brutal. Die Menschenrechtsorganisation Iran Human Rights (IHR) spricht von mindestens 3428 getöteten Demonstrierenden. Der STANDARD zitiert gar eine gut informierte Quelle, laut derer über 12.000 Menschen ums Leben gekommen sein sollen. Diese Angaben lassen sich aktuell nicht unabhängig überprüfen.
Schauprozesse und Einschüchterung
Justizchef Gholamhossein Mohseni Ejei kündigte am Mittwoch im Staatsfernsehen an, festgenommene "Unruhestifter" in Schnellverfahren und öffentlichen Schauprozessen abzuurteilen. Wörtlich sagte er: "Wenn jemand jemanden verbrannt, enthauptet und angezündet hat, dann müssen wir unsere Arbeit schnell erledigen."
Unterdessen meldete der iranische Rundfunk die Festnahme mutmaßlicher Protestführer in der westiranischen Provinz Chaharmahal und Bakhtiari, wo es zu besonders heftigen Zusammenstößen gekommen war.
Trump, Israel und geopolitische Spannungen
In einem Interview mit CBS News drohte Ex-US-Präsident Donald Trump dem Iran indirekt mit einem entschlossenen Eingreifen. Gleichzeitig warf Irans Außenminister Abbas Araghchi Israel vor, die USA "in einen Krieg hineinziehen" zu wollen – eine Anspielung auf Berichte, wonach Demonstrierende im Iran angeblich aus dem Ausland bewaffnet würden.
"Präsident Trump sollte nun genau wissen, wo er ansetzen muss, um die Tötungen zu beenden", schrieb Araghchi auf der Plattform X (ehemals Twitter).
Unterstützung aus Europa?
Angesichts der Gewalt forderte EVP-Chef Manfred Weber EU-weit Schutzräume für Demonstrierende: "Lasst uns alle Botschaften von EU-Ländern im Iran als Schutzräume öffnen, damit die friedlichen Demonstranten dort Zuflucht finden können", sagte Weber gegenüber der Bild-Zeitung. Er verurteilte das Vorgehen der iranischen Sicherheitskräfte scharf und lobte den Mut der Protestierenden.
Propagandaschlacht auf offener Straße
Währenddessen mobilisiert die iranische Führung ihre Anhänger. Im Staatsfernsehen waren große Menschenmengen zu sehen, die an Trauerzügen für getötete Sicherheitskräfte teilnahmen. Stadtrat-Chef Mehdi Chamran rief zu weiterem Durchhaltevermögen auf: "Wir bleiben auf der Straße wegen der Botschaft der Märtyrer und unseres geliebten Führers."
Die Rhetorik ist scharf, der Ton konfrontativ – sowohl innen- als auch außenpolitisch steuert der Iran auf einen gefährlichen Pfad zu. Ob es bei Drohungen bleibt oder tatsächlich zu einem offenen Schlagabtausch kommt, ist ungewiss. Klar ist: Die Region steht am Rande einer neuen Krise.
(APA/VOL.AT)