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Verblüffende Daten aus den USA: Impfung rückt biologische Alterung in neues Licht

Senioren, Blutwerte, ein überraschender Befund – was Forscher jetzt berichten (Symbolbild)
Senioren, Blutwerte, ein überraschender Befund – was Forscher jetzt berichten (Symbolbild) ©Canva
Eine US-Studie mit fast 4000 Senioren deutet darauf hin, dass eine Impfung gegen Gürtelrose mit einer langsameren biologischen Alterung zusammenhängen könnte.

Eine Impfung schützt in erster Linie vor Infektionskrankheiten. Eine aktuelle US-Studie legt nun nahe, dass eine bestimmte Impfung darüber hinaus mit einer geringeren biologischen Alterung verbunden sein könnte. Untersucht wurde die Wirkung einer Gürtelrose-Impfung bei älteren Menschen.

Die Analyse basiert auf Daten von 3884 Personen im Alter von mindestens 70 Jahren. Herangezogen wurden soziodemografische Angaben und Blutproben aus der "Venous Blood Study 2016", die Teil der groß angelegten "Health and Retirement Study" (HRS) ist. Dabei handelt es sich um eine Langzeitbeobachtung älterer US-Bürger.

Biomarker aus sieben Bereichen analysiert

Die Forscher untersuchten verschiedene Biomarker, die Rückschlüsse auf biologische Alterungsprozesse zulassen. Berücksichtigt wurden unter anderem Entzündungswerte, Parameter der angeborenen und adaptiven Immunität, kardiovaskuläre Werte wie Blutdruck und Puls, Marker für Neurodegeneration sowie Veränderungen auf DNA- und RNA-Ebene.

Aus mehreren dieser Faktoren wurde ein zusammengesetzter biologischer Alterungswert berechnet. Laut Studie wiesen gegen Gürtelrose geimpfte Personen in mehreren Bereichen günstigere Werte auf als Ungeimpfte. Besonders deutlich zeigte sich dies bei molekularen Markern, also bei DNA- und RNA-Veränderungen. Die Autoren sehen darin Hinweise auf ein geringeres Tempo der Alterung, nicht jedoch auf eine Umkehr des Alterungsprozesses.

Zudem lagen die Entzündungswerte bei Geimpften niedriger. Einige Marker der adaptiven Immunität fielen hingegen ungünstiger aus. Die Bedeutung dieses Befunds ist laut Studie unklar.

Die stärksten Unterschiede bei molekularen Markern zeigten sich innerhalb von drei Jahren nach der Impfung. Verbesserte Entzündungswerte waren vor allem vier oder mehr Jahre nach der Impfung ausgeprägt.

Beobachtungsstudie ohne Kausalitätsnachweis

Die Autoren weisen selbst auf zentrale Einschränkungen hin. Es handelt sich um eine Beobachtungsstudie, die keinen ursächlichen Zusammenhang zwischen Impfung und biologischer Alterung belegen kann. Möglich ist demnach auch, dass Menschen mit insgesamt gesundheitsbewussterem Lebensstil eher geimpft sind und deshalb günstigere Werte aufweisen.

Hinzu kommt, dass die Biomarker nur einmal erhoben wurden. Aussagen über langfristige Veränderungen im Zeitverlauf sind daher nicht möglich.

Ein weiterer wesentlicher Punkt: In der Studie wurden Impfungen mit dem Lebendimpfstoff Zostavax untersucht, der in den USA bis 2020 verwendet wurde. Dieser Impfstoff wird inzwischen weder in den USA noch in Deutschland eingesetzt.

In Deutschland anderer Impfstoff empfohlen

In Deutschland empfiehlt die Ständige Impfkommission (STIKO) seit 2019 den Totimpfstoff Shingrix als Standardimpfung gegen Gürtelrose für Personen ab 60 Jahren. Für bestimmte Risikogruppen, etwa Menschen mit Immunschwäche, wird die Impfung bereits ab 50 Jahren empfohlen. Die Kosten werden von den gesetzlichen Krankenkassen übernommen.

Da in der Studie ausschließlich Zostavax untersucht wurde, lassen sich die Ergebnisse nicht auf den heute verwendeten Totimpfstoff übertragen. Ob auch Shingrix mit ähnlichen Effekten auf biologische Alterungsmarker verbunden ist, muss erst in weiteren Studien geprüft werden.

In Deutschland erkranken jährlich mehr als 300.000 Menschen an Gürtelrose. Die Impfung soll vor schweren Krankheitsverläufen und Komplikationen schützen. Ein möglicher Einfluss auf biologische Alterungsprozesse bleibt vorerst eine wissenschaftliche Beobachtung – mit offenem Ausgang.

(VOL.AT)

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