Vom Weltcuphang zum FBI-Fahndungsplakat: Das doppelte Leben des Ryan Wedding
Hoffnungsträger im Sport, Gejagter des FBI
Ryan Wedding trat bei den Spielen in Salt Lake City im Parallel-Riesenslalom an. Der sportliche Erfolg blieb zwar aus – er belegte nur den 24. Platz –, doch sein Leben nahm danach eine Wendung, wie sie dramatischer kaum sein könnte.
Nach übereinstimmenden Berichten von NBC News und mehreren US-Medien wurde Wedding nun festgenommen. Die Behörden werfen ihm vor, ein internationales Drogenkartell angeführt zu haben, das jährlich rund 60 Tonnen Kokain in die USA geschmuggelt und damit über eine Milliarde Dollar umgesetzt haben soll.
Der frühere Leistungssportler stand zuletzt auf der FBI-Liste der zehn meistgesuchten Verbrecher. FBI-Direktor Kash Patel verglich ihn mit berüchtigten Figuren wie Pablo Escobar und Joaquín "El Chapo" Guzmán.
Luxusleben und brutale Methoden
Nach außen führte Wedding offenbar ein Leben in Reichtum: Ermittler stellten bei Razzien Dutzende Rennmotorräder, wertvolle Kunstwerke und einen Mercedes CLK GTR Roadster sicher – ein Supersportwagen mit einem geschätzten Wert von über elf Millionen Euro. Zudem wurden zwei olympische Medaillen gefunden, deren Herkunft noch unklar ist.
Der Fall gegen Wedding nahm im Frühjahr 2024 Fahrt auf. Eine große Drogenlieferung wurde in Kalifornien abgefangen. Zunächst setzte das FBI ein Kopfgeld von 50.000 Dollar auf den mutmaßlichen Drogenboss aus. Doch nachdem ein Informant Wedding als "El Jefe" – "den Boss" – identifizierte, eskalierte die Situation.
Laut einem abgehörten Gespräch soll Weddings Anwalt geäußert haben: "Wenn Sie diesen Zeugen töten, wird das Verfahren eingestellt." Kurz darauf wurde der Informant in einem Restaurant in Kolumbien erschossen – mutmaßlich durch einen Auftragskiller im Auftrag Weddings. Das Kopfgeld wurde daraufhin auf 15 Millionen US-Dollar erhöht. Wedding soll sich laut Ermittlern einer Gesichtsoperation unterzogen haben, um unerkannt zu bleiben. Seine Spur führte zuletzt nach Mexiko, zu Mitgliedern des berüchtigten Sinaloa-Kartells.
Festnahme nach monatelanger Fahndung
Am vergangenen Freitag gaben zwei Ermittler gegenüber NBC News bekannt, dass Wedding gefasst wurde. Details zur Verhaftung sollen in den kommenden Tagen auf einer Pressekonferenz bekannt gegeben werden. Wedding war bereits zuvor im Rahmen einer erweiterten Anklage wegen versuchten Mordes und Drogenhandels angeklagt worden. Im November 2024 kam ein weiterer Vorwurf hinzu: die mutmaßliche Ermordung eines Kronzeugen.
Die US-Justiz steht nun vor der Aufgabe, einem Mann den Prozess zu machen, dessen Weg vom Snowboard-Olympioniken zum mutmaßlichen Drogenboss ein düsteres Kapitel in der Geschichte des internationalen Drogenhandels markiert.
(VOL.AT)