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Von falschen Fakten zu falschen Zahlen: Trumps alternative Mathematik

Trump und die Mathematik: Wenn 500% plötzlich 50% sind.
Trump und die Mathematik: Wenn 500% plötzlich 50% sind. ©APA/AFP/BRENDAN SMIALOWSKI
Im Zeitalter von US-Präsident Donald Trump werden nicht nur offensichtliche Fakten in Frage gestellt. Auch die Mathematik, auf deren exakte Regeln man sich bisher immer verlassen konnte, scheint vor einer eigenen Auslegung des Trump-Lagers längst nicht mehr sicher zu sein.

Trumps Prozentrechnung sorgt für Stirnrunzeln

Mehrfach behauptete der US-Präsident in den vergangenen Monaten, die Preise für Medikamente seien um mehr als 100 Prozent gesenkt worden. Das ist allerdings unmöglich, es sei denn, die Hersteller senken ihre Preise auf null und fangen an, ihren Kunden Geld zu zahlen, damit sie ihre Präparate verwenden.

US-Präsident Donald Trump. ©APA/AFP/BRENDAN SMIALOWSKI

Dennoch: Trump lässt sich nicht beirren und bleibt bei seiner alternativen Form der Mathematik. Bei der Bekanntgabe einer Vereinbarung mit dem Pharmakonzern Regeneron am Donnerstag behauptete er einfach, er habe schlicht anders gerechnet. Auch wenn dabei mitunter mal eine Null abhandenkommt.

Aus 500 wird 50

Ja, er habe gesagt, dass seine Bemühungen zur Senkung der Arzneimittelpreise die Kosten für die Verbraucher um "500 Prozent, 600 Prozent" gesenkt hätten, räumte Trump am Donnerstag ein. Er fügte jedoch hinzu: "Manchmal sagen wir auch 50 Prozent, 60 Prozent". Das sei "eine andere Art der Berechnung", die auf bis zu "70, 80 und 90 Prozent" steigen könne.

"Die Leute verstehen das besser", sagte Trump. "Aber es gibt zwei Arten der Berechnung" und "so oder so macht es keinen Unterschied." Es mag zwar zwei Arten geben, solche Dinge zu berechnen, aber die eine ist korrekt und die andere ist mathematisch falsch.

Schützenhilfe von Kennedy

Trumps Gesundheitsminister Robert F. Kennedy Jr. bemühte sich, den alternativen Zugang des Präsidenten zur Prozentrechnung zu rechtfertigen. Arzneimittelhersteller hätten die Preise für einige Medikamente um mehr als 100 Prozent erhöht, und Trump habe diese Preise wieder erheblich gesenkt – was bedeute, dass er Kostensteigerungen von mehr als 100 Prozent zunichte gemacht habe.

US-Gesundheitsminister Robert F. Kennedy Jr. sagt am 22. April 2026 im Rahmen einer Anhörung des Senatsausschusses für Gesundheit, Bildung, Arbeit und Renten aus. ©APA/AFP/SAUL LOEB

"Wenn das Medikament 100 Dollar gekostet hätte und der Preis auf 600 Dollar angehoben worden wäre, wäre das eine Steigerung um 600 Prozent", sagte Kennedy. Doch auch das stimmt nicht. 600 Dollar sind zwar tatsächlich 600 Prozent des ursprünglichen Wertes von 100 Dollar, aber die Steigerung von dem einen zum anderen beträgt nur 500 Prozent.

"Der Präsident hat diesen mathematischen Trick angewendet", sagte Kennedy in Bezug auf die Senkung vorher erhöhter Preise. Einen solchen Trick gibt es mathematisch aber nicht. Der Preis einer Ware kann natürlich um mehr als 100 Prozent steigen. Von 1 Euro auf 2,10 Euro wäre es etwa ein Preisanstieg von 110 Prozent. Preise können jedoch umgekehrt nicht um mehr als 100 Prozent gesenkt werden, weil man sonst im negativen Bereich landen würde.

Donald Trump sorgt erneut für Diskussionen – diesmal mit fragwürdiger Prozentrechnung. ©APA/AFP/BRENDAN SMIALOWSKI

Von Zeiträumen und Menschenmengen

Trumps alternativer Zugang zu Fakten und Realität erstreckt sich aber weit über die Mathematik hinaus. Auf die Frage, ob der Krieg gegen den Iran nach fast acht Wochen nicht die von ihm ursprünglich veranschlagte Dauer von vier bis sechs Wochen überschritten habe, sagte Trump, er habe seinen eigenen Zeitplan tatsächlich eingehalten. Das iranische Militär sei nach dem angekündigten Zeitraum nämlich bereits erheblich dezimiert gewesen, sagte Trump. Es gilt zwar eine Waffenruhe, aber von einem Kriegsende kann keine Rede sein.

Trump äußerte sich am Donnerstag auch zu einer anderen fraglichen Zahl, nämlich jener der Zuschauer bei seiner Amtseinführung 2017. Um die berühmte Rede von Martin Luther King Jr. "I Have a Dream" zu hören, waren 1963 Hunderttausende Menschen auf die National Mall gepilgert. Trump behauptete: "Ich hatte genau dieselbe Menschenmenge. Vielleicht sogar ein bisschen mehr". Bilder von beiden Ereignissen hätten das untermauert.

Das ist allerdings schon 2017 widerlegt worden. Trumps Beraterin Kellyanne Conway sagte damals aber, es gebe eben "alternative Fakten", auf die sich Trump bezogen habe. Daran hat sich auch in den neun Jahren seither offenbar wenig geändert.

(dpa)

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