Vorarlberger Seilbahn-Riese wächst weiter
Mit 84 neu errichteten Seilbahnen weltweit hat die Doppelmayr Gruppe ihr ohnehin hohes Niveau aus dem Vorjahr nahezu gehalten. Damals waren es 85 Anlagen.
Mehr als die Hälfte davon entstand in Europa: 55 Projekte, davon allein 44 im Alpenraum. Das ist eine deutliche Steigerung gegenüber dem Vorjahr. Nordamerika folgt mit 17 Anlagen, dahinter Asien (acht), Ozeanien (drei) und Südamerika (eine).
Doch es ist nicht nur die Menge, die ins Auge sticht. Es sind vor allem die technischen Premieren und innovativen Anwendungen, die zeigen, wohin sich die Branche bewegt: weg vom reinen Skilift, hin zu einem vielseitigen Mobilitätssystem im Gebirge, aber zunehmend auch in Städten.
Paris hebt ab: Urbane Seilbahn als Verkehrsrevolution
Ein Projekt sticht besonders hervor: die "Câble C1" im Großraum Paris. Seit Dezember 2025 verbindet die 4,5 Kilometer lange Anlage mehrere Vororte mit dem bestehenden Metro-Netz, emissionsfrei und ohne Stau.
Fünf Stationen, 105 Kabinen, Platz für jeweils zehn Personen. Mehr als 11.000 Fahrgäste täglich nutzen die Bahn, die Fahrzeit beträgt gerade einmal 18 Minuten, etwa halb so lange wie zuvor.
Weltpremiere in der Schweiz
Technologisch Neuland betritt das Unternehmen mit der ersten TRI-Line überhaupt. Die Anlage im Schweizer Hoch-Ybrig kombiniert Eigenschaften klassischer Seilbahnsysteme mit neuen technischen Ansätzen.
Auf rund 1,7 Kilometern Strecke transportiert die Bahn bis zu 1.400 Personen pro Stunde. Besonders auffällig: Die Konstruktion kommt mit nur zwei Stützen aus und fügt sich dadurch vergleichsweise schonend in die Landschaft ein.
Hinzu kommt ein Feature, das die Zukunft erahnen lässt: Die Anlage kann bei Bedarf autonom betrieben werden.
Autonome Sesselbahnen in Tirol
Was nach Zukunftsmusik klingt, ist in Österreich bereits Realität. In Ischgl und Sölden laufen neue Sesselbahnen teilweise autonom. Kameras und Sensoren überwachen den Betrieb, ein KI-System greift bei Bedarf ein.
"Bei Bedarf wird die Bahn automatisch verlangsamt oder gestoppt", heißt es aus dem Unternehmen. Personal an der Bergstation ist dafür nicht mehr zwingend notwendig.
Auch im Tal unterstützt ein Assistenzsystem das Personal, etwa beim sicheren Einstieg der Fahrgäste. Ergänzt wird das Ganze durch Solaranlagen, die einen Teil des Energiebedarfs decken.
Seilbahnen als Teil nachhaltiger Städte
Dass Seilbahnen längst mehr sind als reine Wintersport-Infrastruktur, zeigt ein Blick nach Südamerika. In Santiago de Chile verbindet eine neue Gondelbahn künftig Zoo, Naturpark und Aussichtspunkt am Cerro San Cristóbal.
Die Anlage entlastet bestehende Verkehrswege und stärkt das innerstädtische Mobilitätsnetz, ein Trend, der sich weltweit abzeichnet.
Von Montana bis in die Alpen: Komfort wird zum Standard
Auch in Nordamerika setzt Doppelmayr Maßstäbe. In Big Sky (Montana) wurde mit der "Explorer Gondola" eine hochmoderne Anlage eröffnet – mit Panoramafenstern, beheizten Sitzen und innovativen Transportlösungen für Skier und Bikes.
Der Anspruch ist klar: Seilbahnen sollen nicht nur effizient, sondern auch komfortabel sein, im Winter wie im Sommer.
Traditionsunternehmen mit globalem Anspruch
Die Doppelmayr Gruppe mit Sitz in Vorarlberg blickt auf mehr als 130 Jahre Geschichte zurück. Heute steht das Unternehmen für Technologie- und Marktführerschaft im Seilbahnbau und zunehmend auch für Lösungen im urbanen Verkehr.
Die Nachfrage nach Seilbahnen wächst weiter. Nicht nur in klassischen Skigebieten, sondern überall dort, wo Mobilität neu gedacht wird.
(VOL.AT)