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Waffenruhe ohne Wirkung: Kämpfe im Libanon eskalieren weiter

Waffenruhe ohne Wirkung: Kämpfe im Libanon eskalieren weiter.
Waffenruhe ohne Wirkung: Kämpfe im Libanon eskalieren weiter. ©APA/AFP
Trotz einer seit April bestehenden Feuerpause setzen Israel und die Hisbollah ihre Angriffe fort. Am Donnerstag und Freitag verhandeln beide Seiten erneut in Washington.

Es ist bereits der dritte Anlauf – und die Erwartungen sind gedämpft. Während Delegationen aus Israel und dem Libanon in Washington erneut an den Verhandlungstisch zurückkehren, sprechen die Entwicklungen vor Ort eine andere Sprache: tägliche Angriffe, zerstörte Dörfer, steigende Opferzahlen.

Die Waffenruhe, die US-Präsident Donald Trump nach Gesprächen am 10. April ausgerufen hatte, läuft am Sonntag aus. Zwar gilt eine Verlängerung als wahrscheinlich. Doch schon jetzt zeigt sich: Eine echte Beruhigung der Lage hat sie nicht gebracht.

Kämpfe trotz Waffenruhe

Die Front im Süden des Libanon bleibt aktiv. Israel greift nach eigenen Angaben weiterhin Ziele der Hisbollah an, darunter mutmaßliche Waffenlager und Tunnel. Gleichzeitig berichten Beobachter von großflächiger Zerstörung entlang der Grenze – ganze Ortschaften wurden dem Erdboden gleichgemacht.

Auch die Hisbollah setzt ihre Angriffe fort. Vor allem der Einsatz explosiver Drohnen bereitet Israel zunehmend Probleme und sorgt innenpolitisch für Druck auf die Regierung, berichtet der STANDARD.

Die humanitäre Lage verschärft sich weiter: Zehntausende Menschen sind auf der Flucht. Seit Beginn der Feuerpause wurden laut Berichten rund 10.000 Gebäude zerstört und etwa 380 Menschen getötet. Seit der Eskalation Anfang März liegt die Zahl der Todesopfer bei über 2700.

Ein Foto, aufgenommen im Süden von Marjayoun, zeigt Leuchtraketen der israelischen Armee, die am späten 13. Mai 2026 über dem Dorf Arnoun niedergehen. ©APA/AFP

Gegensätzliche Ziele

Die Positionen der Konfliktparteien könnten unterschiedlicher kaum sein. Beirut fordert ein sofortiges Ende der Kampfhandlungen und den Abzug israelischer Truppen aus besetzten Gebieten.

Israel hingegen knüpft ein Ende der Offensive an klare Bedingungen: Die Hisbollah müsse entwaffnet und aufgelöst werden. Zudem gibt es offen formulierte Pläne für eine rund zehn Kilometer breite "Pufferzone" im Südlibanon – ein Szenario, das auf eine längerfristige militärische Präsenz hindeutet.

Für den libanesischen Staat ist das kaum umsetzbar. Zu schwach ist die zentrale Regierung, zu groß der Einfluss der Hisbollah.

Konflikt mit regionaler Dimension

Hinzu kommt die enge Verflechtung mit dem Iran. Die Hisbollah gilt als einer der wichtigsten Verbündeten Teherans. Sie lehnt sowohl eine Entwaffnung als auch direkte Gespräche mit Israel ab und setzt stattdessen auf eine größere diplomatische Lösung zwischen den USA und dem Iran.

In einem bemerkenswerten Schritt wandte sich die libanesische Regierung nun erstmals auch gegen diesen Einfluss: In einem Schreiben an den UNO-Sicherheitsrat machte sie die iranischen Revolutionsgarden für "rechtswidrige Handlungen" verantwortlich.

Politischer Balanceakt in Beirut

Innenpolitisch steht die libanesische Führung unter enormem Druck. Präsident Joseph Aoun signalisiert zwar Gesprächsbereitschaft und bezeichnet Verhandlungen als "einzige Option". Gleichzeitig fürchtet die Regierung, dass zu schnelle Annäherung an Israel neue Spannungen im eigenen Land auslösen könnte.

Ein von den USA angeregtes Treffen zwischen Aoun und Israels Premier Benjamin Netanjahu lehnt Beirut daher vorerst als "verfrüht" ab.

Hoffnung auf Washington – und wenig Zeit

Am Ende richtet sich der Blick einmal mehr auf die USA. Schon die bisherige Feuerpause kam nur durch massiven Druck aus Washington zustande. Ob dieser Druck ausreicht, um die Kämpfe dauerhaft zu beenden, ist jedoch offen.

Für die Menschen im Libanon bleibt die Lage prekär. Während Diplomaten verhandeln, geht der Krieg weiter – Tag für Tag.

Trauernde nehmen am 13. Mai 2026 in der südlichen Stadt Sidon an den Beerdigungen von zwei Rettungskräften teil, die Berichten zufolge am Vortag bei israelischen Luftangriffen in Nabatieh getötet wurden. ©APA/AFP

(VOL.AT)

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