Wal Timmy vor Poel: Letzte Stunden – und was danach folgt
Seit Wochen irrte Buckelwal Timmy durch die Ostsee – ein Lebensraum, der für seine Art völlig ungeeignet ist. Nun liegt das geschwächte Tier vor der Insel Poel und ringt sichtbar mit dem Leben. Einsatzkräfte kühlen den massigen Körper mit Wasser, während Timmy noch vereinzelt Fontänen ausstößt.
Fachleute haben inzwischen eine klare Entscheidung getroffen: Weitere Rettungsversuche sollen nicht mehr unternommen werden. Der Zustand des Wals gilt als aussichtslos.
Klare Pläne für die Zeit danach
Während das Tier noch lebt, laufen im Hintergrund bereits Vorbereitungen für den Umgang mit seinem Körper. Das Unternehmen SecAnim bestätigte gegenüber dem Onlinemagazin t-online, im Falle von Timmys Tod für die Entsorgung zuständig zu sein.
Ein Sprecher erklärte, das Umweltministerium werde die Firma nach einer wissenschaftlichen Untersuchung beauftragen, „die anschließende fachgerechte Entsorgung des Walkörpers zu übernehmen“. Konkret bedeutet das: Der Kadaver soll weiterverarbeitet werden – unter anderem zu Brennstoff.
Der Rettungsversuch im Livestream:
Vom Wal zum Biodiesel
Nach der ersten Untersuchung wird der Körper laut SecAnim bereits großteils zerlegt sein. Anschließend soll der Transport in speziell gesicherten, flüssigkeitsdichten Fahrzeugen erfolgen. Ziel ist die Stadt Malchin in Mecklenburg-Vorpommern.
Dort wird der Walkörper unter strengen hygienischen Bedingungen verarbeitet. Die entstehenden Produkte könnten als CO₂-neutraler Brennstoff in Kraftwerken oder in der Zementindustrie eingesetzt werden. Auch eine Umwandlung zu Biodiesel ist vorgesehen. Das Unternehmen spricht dabei von einem „Beitrag zur nachhaltigen Mobilität“.
Wissenschaft sucht nach Antworten
Bevor diese Schritte erfolgen, steht jedoch die Forschung im Vordergrund. Tom Bär vom Deutschen Meeresmuseum in Stralsund sagte bereits Anfang April gegenüber t-online: „Im Falle seines Sterbens soll das Tier im Rahmen einer Sektion wissenschaftlich untersucht werden.“
Dabei sollen Gewebeproben entnommen werden, um mögliche Krankheiten zu identifizieren und die Umstände seines Irrwegs zu klären. Besonderes Augenmerk liegt auch auf einem Netz, das sich im Maul des Wals verfangen hatte.
Auch das Skelett des Tieres könnte wissenschaftlich genutzt werden: Laut „Stern“ hat die Universität Rostock bereits Interesse angemeldet.
Entscheidung noch offen
Ein konkreter Auftrag an SecAnim liegt bislang nicht vor. Das bestätigte ein Sprecher des Umweltministeriums. Solange Timmy lebt, gebe es keinen Anlass für entsprechende Maßnahmen. Auch die Kosten für Bergung und Verarbeitung sind derzeit unklar.
Ungeachtet der Dimension des Falls betont SecAnim, dass sich die Abläufe grundsätzlich nicht von jenen bei anderen tierischen Rohstoffen unterscheiden – auch wenn ein Wal eine besondere Bedeutung habe.
Für Aufsehen sorgt der Fall längst über Fachkreise hinaus: Sogar Bundespräsident Frank-Walter Steinmeier verfolgt die Entwicklung rund um Wal Timmy.
(VOL.AT)