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Waldbrände in Südeuropa – Mehr als 160.000 Menschen evakuiert

Brennende Strohballen sind zu sehen, während Feuerwehrleute in der Nacht in der Gegend von Cebreros – nahe Ávila und rund 80 Kilometer westlich von Madrid – gegen einen Waldbrand kämpfen. Die schwersten Waldbrände in der Geschichte der Region Madrid wüten westlich der spanischen Hauptstadt und zwingen die Behörden dazu, rund 40.000 Menschen zu evakuieren oder anzuweisen, in ihren Häusern zu bleiben. ©APA/AFP/CESAR MANSO

Beispiellose Waldbrände in Frankreich und Spanien haben am Freitag mehr als 160.000 Menschen zur Flucht gezwungen.

Behördenangaben zufolge wurden im Südwesten Frankreichs bisher rund 141.000 Menschen evakuiert. In Spanien wurden laut dem Innenministerium allein im Raum der Hauptstadt Madrid rund 25.000 Menschen zur Evakuierung aufgefordert. Den Behörden zufolge war das Feuer dort "nicht zu löschen".

Feuer bewegt sich auf Bordeaux zu – Feuer bei Madrid laut Behörden "nicht zu löschen"

Frankreichs Innenminister Laurent Nuñez betonte, das Land habe noch nie zuvor Brände in diesem Ausmaß erlebt, und versprach, "alles zu tun", um die Stadt Bordeaux zu schützen. Frankreichs Präsident Emmanuel Macron forderte die Streitkräfte nach Angaben seines Umfelds auf, sich zu mobilisieren und den Zivilschutz "mit maximaler Verstärkung" zu unterstützen.

Regierungschef Sébastien Lecornu berief für den späten Abend einen interministeriellen Krisenstab ein. Er erklärte, insgesamt 1000 Militärangehörige würden eingesetzt, um gegen die Flammen zu kämpfen. Diese haben in dem Gebiet bereits eine Fläche von 22.000 Hektar verwüstet.

Feuer bewegt sich auf Bordeaux zu

Ein örtlicher Vertreter warnte, das Feuer bewege sich auf Bordeaux zu. Die dortigen Behörden ordneten die Evakuierung von Orten in der Nähe der Stadt "aus Vorsicht" vor den herannahenden Flammen an. Die Verkehrsinformationsseite Bison Futé forderte Autofahrer auf, Straßen in dem Gebiet zu meiden, um die Zufahrten für Rettungsdienste freizuhalten.

Anwohner beobachten in der Nacht zum 24. Juli 2026 die Flammen auf den Hügelkämmen, während Feuerwehrleute in der Gegend von Cebreros – nahe Ávila, 80 Kilometer westlich von Madrid – gegen einen Waldbrand kämpfen. ©APA/AFP/CESAR MANSO

Auf der bei Urlaubern beliebten Halbinsel Cap-Ferret ordneten die Behörden eine vollständige Evakuierung an. Rund 44.000 Einwohner und Urlauber verließen das Gebiet über die einzige Straße in Richtung Bordeaux oder mit Booten über das Becken von Arcachon.

Waldbrand nahe Lège-Cap-Ferret im Südwesten Frankreichs in der Nähe von Flammen in einem Wohngebiet. ©APA/AFP/JULIEN DE ROSA

Mehr als 800 Menschen erreichten nach Angaben der Stadtverwaltung auf dem Seeweg Arcachon. Etwa 40 der 1000 Feuerwehrleute, die gegen den Brand bei Cap-Ferret kämpften, wurden nach Angaben der Behörden verletzt.

Das Feuer könnte laut Staatsanwaltschaft durch eine bei Arbeiten an einer Hochspannungsleitung eingesetzte Freischneidemaschine ausgelöst worden sein, deren Nutzung zu diesem Zeitpunkt noch erlaubt war.

Ermittlungen gegen zwei Männer

Nach Angaben der Staatsanwaltschaft wurde zudem gegen zwei Männer wegen Gefährdung des Lebens anderer ermittelt, nachdem sie beim Rauchen in Waldgebieten ertappt worden waren. Bei einem von ihnen stellten Gendarmen demnach fest, dass er am Vortag neben seinem Lagerplatz einen Grill angezündet hatte.

Die in Puerto de la Cruz Verde bei Ávila – 80 Kilometer westlich von Madrid – aufgenommene Aufnahme zeigt eine nächtliche Ansicht eines Waldbrands, der westlich der spanischen Hauptstadt wütet. ©APA/AFP/PIERRE-PHILIPPE MARCOU

Insgesamt kämpften die Einsatzkräfte in Frankreich laut Innenminister Nuñez gegen 32 aktive Waldbrände unterschiedlicher Stärke. Seit Jahresbeginn seien bereits mehr als 50.000 Hektar Fläche verbrannt – fast dreimal so viel wie im entsprechenden Vorjahreszeitraum.

Lage um Madrid verschärft

In Spanien verschärfte sich die Lage rund um die Hauptstadt Madrid. Das dortige Großfeuer sei "auf seinem Höhepunkt" und derzeit "nicht zu löschen", sagte der Leiter des Katastrophenschutzes der Regionalregierung, Carlos Novillo. Wegen starken Windes könne sich der Brand weiter ausbreiten.

Unter den 63.000 evakuierten oder zum Verbleib in Gebäuden aufgeforderten Menschen waren nach Angaben des spanischen Innenministeriums auch 5000 Urlauber auf einem Campingplatz. Regionalpräsidentin Isabel Díaz Ayuso sprach vom "schlimmsten Brand in der Geschichte" der Region Madrid und von einer "Katastrophe".

Zwei der drei Brände westlich der spanischen Hauptstadt waren nach Behördenangaben bereits zu einem Großfeuer verschmolzen. Dieses zog auf die Gemeinde Navas del Rey zu, rund 50 Kilometer von der Hauptstadt entfernt, und stand örtlichen Vertretern zufolge kurz davor, sich mit einem weiteren Waldbrand in der benachbarten Region Kastilien und León zu verbinden.

Ministerpräsident Pedro Sánchez wollte am Samstag gemeinsam mit Innenminister Fernando Grande-Marlaska das Einsatzzentrum in Cenicientos bei Madrid besuchen und dort an einer Krisensitzung teilnehmen. Sánchez hatte von einer "dramatischen Situation" in mehreren spanischen Provinzen und in Nachbarländern gesprochen.

Im Zusammenhang mit dem Feuer in Ávila nahm die spanische Gendarmerie nach eigenen Angaben einen Mann fest. Wie die Guardia Civil weiter erklärte, soll er eine landwirtschaftliche Maschine in einem Gebiet eingesetzt haben, in dem dies wegen der Brandgefahr streng verboten war. Die dabei entstandenen Funken hätten vermutlich den Brand ausgelöst. Gegen einen weiteren Mann werde ermittelt.

Auswirkungen auf die Nasa

Die Waldbrände in Spanien zwangen außerdem die US-Raumfahrtbehörde Nasa zur Evakuierung einer ihrer drei weltweiten Bodenstationen für die Tiefraumkommunikation. Die Flammen seien über das Gelände in Robledo, rund 65 Kilometer westlich von Madrid, hinweggezogen; mögliche Schäden würden bewertet, sobald dies gefahrlos möglich sei, teilte die US-Behörde mit.

Im nordöstlich von Madrid gelegenen Guadalajara entwickelte sich die Lage dagegen günstiger. Das Feuer hatte nach Angaben der Einsatzkräfte rund 32.000 Hektar erfasst, verlor aber an Intensität. Bewohner von 14 Gemeinden durften zurückkehren, die militärische Notfalleinheit zog sich zurück. Gelöscht war der Brand zunächst nicht.

Ein Löschflugzeug des Typs Canadair CL-415 des französischen Zivilschutzes fliegt an den Flammen eines Waldbrandes vorbei, der Bäume und Vegetation in einem Waldgebiet nahe Cotignac im Südosten Frankreichs vernichtet. Heftige Waldbrände, angefacht durch Wind und hohe Temperaturen, wüten in mehreren Regionen Südeuropas, darunter Italien, Spanien und Frankreich. ©APA/AFP/Thibaud MORITZ

Die EU entsandte nach Angaben der Europäischen Kommission vier Löschflugzeuge nach Spanien und drei nach Frankreich. Deutschland erklärte sich bereit, Frankreich im Rahmen des europäischen Katastrophenschutzmechanismus zu unterstützen.

©APA

Auch in Italien kämpften Einsatzkräfte weiter gegen zahlreiche Brände. Besonders betroffen waren Sizilien und Kalabrien. Allein auf Sizilien wurden am Freitag Dutzende Feuer gemeldet.

Wissenschaftlern zufolge erhöhen die durch den menschengemachten Klimawandel häufigeren und intensiveren Hitzewellen das Risiko von Waldbränden. Dürre und außergewöhnliche Hitze hatten die Vegetation in weiten Teilen Südeuropas stark ausgetrocknet und erschwerten die Löscharbeiten.

(APA/AFP)

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