Auch Kommunikation und Personalmangel stehen in der Kritik. Die Ergebnisse sind allerdings nicht repräsentativ, so der ORF.
Die Diagnose fällt deutlich aus – zumindest aus Sicht der Opposition: Lange Wartezeiten, zu wenig Zeit für Patientinnen und Patienten und ein spürbarer Personalmangel prägen laut einer aktuellen Neos-Befragung die Wahrnehmung des Gesundheitssystems im Land.
Lange Wartezeiten an der Spitze
Rund 70 Prozent der Teilnehmer nannten Wartezeiten als größtes Problem. Als Beispiele führen die Neos konkret verlängerte Fristen für Operationen an: So müsse man etwa am Krankenhaus Dornbirn derzeit bis zu 16 Monate auf eine Gelenk-OP warten, Bandscheiben-Eingriffe am LKH Feldkirch würden rund 21 Wochen in Anspruch nehmen.
Auf Platz zwei folgt der Eindruck, dass sich das medizinische Personal zu wenig Zeit für Patientinnen und Patienten nehmen könne (40 Prozent). Dahinter reiht sich der Personalmangel in Spitälern und Pflege mit 32 Prozent ein. 14 Prozent der Befragten sehen Defizite bei wohnortnahen Angeboten.
Kritik auch aus der Pflege
Besonders kritisch fällt der Blick auf den Pflegebereich aus: 74 Prozent der Befragten orten hier einen Personalmangel als zentrales Problem. Schlechte Arbeitsbedingungen (55 Prozent) und aus ihrer Sicht unzureichende Bezahlung (44 Prozent) werden ebenfalls häufig genannt.
Zufriedenheit nur im Mittelfeld
Insgesamt bewerten die Teilnehmer das Vorarlberger Gesundheitssystem mit durchschnittlich 2,71 von fünf möglichen Punkten. Für Neos ist das Ergebnis ein deutliches Signal: Man sehe darin "ein kollektives Misstrauensvotum gegen die Gesundheitspolitik der Landesregierung".
Allerdings ist bei der Einordnung Vorsicht geboten: Die Umfrage wurde online durchgeführt, die Teilnahme erfolgte freiwillig über eine Neos-Website. Damit ist sie nicht repräsentativ für die Gesamtbevölkerung. Auffällig ist zudem, dass rund 32 Prozent der Teilnehmer aus dem Gesundheitspersonal stammen, so der ORF.
Wunsch nach Reformen – und besserer Information
Trotz Kritik zeigt die Befragung auch Reformbereitschaft. 77 Prozent sprechen sich laut Neos für tiefgreifende Veränderungen aus. Parteisprecherin Claudia Gamon fordert einen klaren Plan: "Sie wollen letztendlich, dass es funktioniert. Aber dafür braucht es eine Vision und einen klaren Fahrplan, wo man hingeht."
Ein Knackpunkt bleibt die Kommunikation: 59 Prozent fühlen sich über geplante Veränderungen im Gesundheitssystem nicht ausreichend informiert. Neos-Gesundheitssprecherin Katharina Fuchs ortet hier ein strukturelles Problem: "Ich glaube, es wird zu wenig kommuniziert, aber auch falsch."
Neos bringt eigene Vorschläge ein
Die Partei sieht mehrere Ansatzpunkte für Verbesserungen. Dazu zählen Primärversorgungszentren in jedem Bezirk, mehr Digitalisierung und weniger Bürokratie. Zudem wird ein "Vorarlberger Gesundheitsrat" vorgeschlagen, in dem Bürgerinnen und Bürger, Fachpersonal und Gemeinden den Reformprozess begleiten sollen.
Wie viel davon politisch umgesetzt wird, bleibt offen. Klar ist aber: Das Thema Gesundheit wird im Land weiter an Brisanz gewinnen – nicht zuletzt, weil viele Vorarlbergerinnen und Vorarlberger die Auswirkungen ganz unmittelbar spüren.
(VOL.AT)