"Was zum Teufel machst du da?" – Trump soll bei Telefonat mit Netanjahu ausgerastet sein
Laut der US-Nachrichtenplattform Axios war das Gespräch zwischen Trump und Netanjahu äußerst angespannt und "voller Flüche". Axios beruft sich dabei auf drei Personen, die mit dem Telefonat vertraut sind.
"Völlig verrückt"
Demnach warf Trump dem israelischen Premier vor, er sei "völlig verrückt". Zudem soll er erklärt haben, ohne seine Unterstützung würde Netanjahu längst im Gefängnis sitzen. Gegen den israelischen Regierungschef läuft seit Jahren ein Korruptionsverfahren, dessen Abschluss sich durch die anhaltenden Konflikte Israels immer wieder verzögert.
Trump hatte den israelischen Präsidenten Jizchak Herzog in der Vergangenheit mehrfach aufgefordert, Netanjahu noch vor einem Urteil zu begnadigen. Ein entsprechender Antrag wird seit Monaten geprüft. Eine Entscheidung dürfte jedoch frühestens nach der diesjährigen Parlamentswahl fallen.
"Was zum Teufel machst du da?"
Im Zentrum des Streits standen die von Netanjahu angeordneten Luftangriffe auf Beirut. Laut Axios kritisierte Trump die Entscheidung scharf und warf dem israelischen Regierungschef Undankbarkeit vor. Zeitweise soll Trump laut geworden sein und Netanjahu gefragt haben: "Was zum Teufel machst du da?"
Außerdem habe er auf den internationalen Imageschaden Israels verwiesen. "Die ganze Welt hasst Israel deshalb", soll Trump gesagt haben. Auch in den USA hat die Unterstützung für Israel zuletzt abgenommen. Besonders unter jüngeren Wählerinnen und Wählern wächst die Kritik. Für die Republikaner gilt vor allem der Krieg gegen den Iran als politisches Risiko vor den Midterm-Wahlen im November.
Trump verkündet Einigung
Am Montag verkündete Trump, er habe sowohl Netanjahu als auch die Hisbollah zu einer Deeskalation bewegt. Es würden "keine (israelischen) Truppen nach Beirut entsandt, und alle Truppen, die bereits unterwegs sind, wurden bereits zurückbeordert", schrieb Trump nach eigenen Angaben nach einem "sehr produktiven" Gespräch mit Netanjahu.
Trump erklärte: "Zudem hatte ich über hochrangige Vertreter ein sehr gutes Gespräch mit der Hisbollah." Die Miliz habe sich bereit erklärt, die Kampfhandlungen einzustellen. "Sie haben zugestimmt, dass alle Schusswechsel eingestellt werden – dass Israel sie nicht angreifen wird und sie Israel nicht angreifen werden."
Netanjahu hält an hartem Kurs fest
Trotz der von Trump verkündeten Einigung drohte Netanjahu weiterhin mit Angriffen auf Beirut, sollte die Hisbollah ihre Angriffe auf Israel fortsetzen. Zugleich kündigte er an, die israelische Armee werde "ihre Einsätze im Südlibanon wie geplant fortsetzen". Ob diese Aussage vor oder nach dem Telefonat mit Trump fiel, blieb offen.
Neue Angriffe gemeldet
Von einer nachhaltigen Entspannung kann bislang keine Rede sein. Die israelische Armee erklärte, am Dienstagfrüh seien zwei auf Nordisrael gerichtete Geschosse aus dem Libanon abgefangen worden.
Libanesische Medien berichteten gleichzeitig über neue israelische Angriffe im Süden des Landes. Die Hisbollah erklärte ihrerseits, sie habe am späten Montagabend israelische Soldaten im Südlibanon angegriffen.
Streit um Verhandlungen mit dem Iran
Unterdessen widersprach Trump Angaben aus Teheran, wonach die Verhandlungen über ein Ende des Krieges in der Golfregion ausgesetzt worden seien. "Die Gespräche mit der Islamischen Republik Iran gehen in raschem Tempo weiter", schrieb Trump auf Truth Social.
Der Iran hatte zuvor erklärt, die Gespräche wegen der Entwicklungen im Libanon und der angekündigten Angriffe auf Dahija, die Hisbollah-Hochburg im Süden Beiruts, vorerst auszusetzen.
Waffenruhe bleibt fragil
Der Libanon wurde Anfang März in den Krieg Israels und der USA gegen den Iran hineingezogen. Nach der gezielten Tötung des iranischen Führers Ajatollah Ali Chamenei durch Israel begann die vom Iran unterstützte Hisbollah mit Angriffen auf israelische Stellungen. Israel reagierte mit Luftangriffen und rückte zudem mit Bodentruppen weiter in den Libanon vor.
Seit Mitte April gilt offiziell eine Waffenruhe zwischen Israel und dem Libanon. Die Hisbollah erkennt diese allerdings nicht an. Die israelische Armee ist mittlerweile weiter in den Süden des Landes vorgedrungen als zu irgendeinem Zeitpunkt seit dem Ende der Besetzung im Jahr 2000.
Neue Gespräche in Washington
Vertreter Israels und des Libanon treffen am Dienstag erneut in Washington zusammen. Es ist die vierte Gesprächsrunde seit Beginn der Waffenruhe im April. Bei den jüngsten Verhandlungen Mitte Mai hatten sich beide Seiten auf eine Verlängerung der Feuerpause um 45 Tage geeinigt. Israel und der Libanon unterhalten keine diplomatischen Beziehungen und befinden sich seit 1948 formell im Kriegszustand.
Die libanesische Regierung fordert vor allem ein Ende der Kampfhandlungen und einen dauerhaften Waffenstillstand. Israel verlangt die Entwaffnung der Hisbollah. Eine Normalisierung der Beziehungen lehnt Beirut unter den aktuellen Bedingungen ab. Die Hisbollah wiederum weist Verhandlungen zurück und bezeichnet diese als Kapitulation.
(VOL.AT)