"Weder fair noch nachhaltig": AK Vorarlberg kritisiert Lastenverteilung
Scharfe Kritik an Politik
Die Arbeiterkammer Vorarlberg sieht dringenden Handlungsbedarf. Bei der 198. Vollversammlung stellte AK-Präsident Bernhard Heinzle klar: "Noch immer tragen die Arbeitnehmerinnen und Arbeitnehmer die Hauptlast – das ist weder fair noch nachhaltig."
Die Versammlung forderte eine Neuausrichtung der Politik – mit dem Ziel, jene besser abzusichern, die "unsere Gesellschaft täglich am Laufen halten".
Wohnen als "strukturelles Versagen"
Besonders deutlich wurde die Kritik beim Thema Wohnraum. Steigende Mieten, fehlende leistbare Wohnungen und ein schwacher gemeinnütziger Sektor seien laut Heinzle kein Zufall, sondern "strukturelles Versagen".
Die AK verlangt daher eine klare Zweckwidmung der Wohnbauförderung sowie eine deutliche Stärkung des gemeinnützigen Wohnbaus. "Jeder Euro muss dort ankommen, wo er gebraucht wird – beim leistbaren Wohnen", so Heinzle.
Lehrlingsausbildung unter Druck
Auch die Situation in der Lehrlingsausbildung bereitet Sorgen. Sinkende Zahlen und Qualitätsunterschiede in den Betrieben würden zeigen, dass das System nicht mehr ausreichend funktioniere.
"Zwei von fünf Lehrlingen berichten von schlechten Ausbildungsbedingungen. Mehr als ein Viertel will nicht mehr im erlernten Beruf bleiben", sagte Heinzle. 2025 hätten bundesweit 27.546 Jugendliche eine Lehre begonnen – rund 10.000 weniger als noch 2005.
Die AK fordert deshalb einen Ausbildungsfonds, in den alle Unternehmen einzahlen. Verbindliche Standards, transparente Ausbildungspläne und regelmäßige Kontrollen sollen die Qualität sichern und die Attraktivität der Lehre erhöhen.
Sorge um Insolvenz-Entgelt-Fonds
Kritik gibt es auch am Insolvenz-Entgelt-Fonds. Gesenkte Arbeitgeberbeiträge hätten laut AK zu einer Unterfinanzierung geführt.
"Der Fonds lebt von der Substanz – und das in einer Zeit steigender Insolvenzen", warnte Heinzle. Gefordert wird eine rasche Anhebung der Beiträge sowie eine regelmäßige Anpassung an die wirtschaftliche Entwicklung.
Beschlüsse mit klaren Mehrheiten
Die Anträge zu Ausbildungsfonds und Insolvenz-Entgelt-Fonds wurden einstimmig beschlossen. Die Forderungen zum Wohnbau erhielten eine breite Mehrheit – einzig FPÖ-Abgeordnete stimmten dagegen.
Auch der Rechnungsabschluss der AK Vorarlberg in Höhe von knapp 33 Millionen Euro wurde mit Ausnahme der FPÖ von allen Fraktionen genehmigt.
Grundsatzfrage bleibt
Für die Arbeiterkammer ist die Stoßrichtung klar: Ob Wohnen, Ausbildung oder soziale Sicherheit – immer gehe es um die zentrale Frage der Verteilung.
Die AK werde sich weiterhin dafür einsetzen, dass soziale Spannungen nicht weiter wachsen. Ziel sei, dass "jene, die alles am Laufen halten, am Ende nicht selbst auf der Strecke bleiben."
(VOL.AT)