Ibrahim heißt der erste Kärntner, der im neuen Jahr zur Welt kam. Ein kleines, gesundes Baby, geboren in einem Klagenfurter Krankenhaus. Die Eltern stammen aus Somalia, leben aber seit vielen Jahren in Österreich. Was eigentlich eine erfreuliche Nachricht sein sollte – ein neuer Erdenbürger – wurde binnen Stunden zur hässlichen Debatte.
Kaum war der Name bekannt, kippte die Stimmung in sozialen Netzwerken und Onlineforen. Unter Klarnamen wetterten Nutzer gegen den Vornamen des Buben, manche forderten gar, die Familie solle "sich schleichen". Der kleine Ibrahim wurde zur Zielscheibe von Fremdenhass – nicht wegen seines Tuns, sondern wegen seiner Herkunft. Oder besser gesagt: wegen der Herkunft seines Namens.
Die verbalen Entgleisungen sind erschütternd. Besonders beschämend: Sie richteten sich gegen ein Kind, das gerade erst das Licht der Welt erblickt hat.
"Geht es eigentlich noch erbärmlicher?"
Nach einem deutlichen Kommentar von Thomas Cik, dem Kärnten-Ressortleiter der Kleinen Zeitung – er fragte etwa: "Geht es eigentlich noch erbärmlicher, als einem Säugling, dem noch nicht einmal die erste Windel getauscht wurde, mit Hass und Häme zu begegnen?" – meldete sich auch Klaus Schwertner, Caritas-Direktor der Erzdiözese Wien, öffentlich zu Wort.
In einer berührenden Botschaft sprach er dem kleinen Ibrahim und dessen Eltern Mut zu: "Ein Flowerrain für dich, kleiner Ibrahim, und deine Eltern wäre auch ein schönes Zeichen. Alles Liebe deinen Eltern. Ganz viele Menschen freuen sich mit ihnen, dass du geboren wurdest – so wie ich und meine Familie es tun. Willkommen, kleiner Erdenbürger, möge ein Schutzengel dich auf deinem Lebensweg begleiten."
Schwertner ist mit solchen Gesten nicht zum ersten Mal präsent: Schon 2018 hatte er nach einem ähnlichen Shitstorm rund um das Wiener Neujahrsbaby Asel zu einem "Flowerrain" aufgerufen – als Gegenbewegung zur damals ebenso enthemmten Welle an Hasskommentaren.
So heißen Österreichs Neujahrsbabys
Ein Blick über die Landesgrenzen zeigt: Österreich ist längst vielfältiger geworden. Die Neujahrsbabys heißen 2026 etwa Alexander, Heinz, Andrija, Malia, Dzeneta, Luna, Elio, Valerie, Jan – und eben Ibrahim.
(Red.)