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Weißmann geht – wer folgt ihm an der ORF-Spitze? Die Namen hinter den Kulissen

Chancen auf Wiederbestellung für Weißmann (l.) wären gut gewesen, jetzt gehen die Spekulationen um seine Nachfolge los.
Chancen auf Wiederbestellung für Weißmann (l.) wären gut gewesen, jetzt gehen die Spekulationen um seine Nachfolge los. ©APA, ORF, GEPA, RTL
Er hat es nie offiziell bestätigt, aber Roland Weißmann hätte sich wohl für eine zweite Funktionsperiode als ORF-Generaldirektor beworben.

Seine Chancen für eine Wiederbestellung wären angesichts seiner soliden Bilanz in für den ORF turbulenten Zeiten gut gewesen. Mit seinem Rücktritt werden die Karten nun aber neu gemischt und sich wohl auch Personen ins Rennen begeben, die sich im Falle eines Wiederantritts Weißmanns nicht beworben hätten.

Für die Ausschreibung des Jobs ist ORF-Stiftungsratsvorsitzender Heinz Lederer zuständig. Er hat bereits angekündigt, öffentlich-rechtliche Erfahrung als Ausschreibungskriterium zu verankern. Gegenüber dem "Standard" hielt er fest, dass das aber nicht bedeute, nur eine Chance zu haben, wenn man in einem öffentlich-rechtlichen Rundfunk gearbeitet habe. "Es geht um das Mindset, auch Privatsender haben Programme im öffentlichen Interesse", sagte er und nannte ein weiteres für ihn zentrales Kriterium - speziell nach den jüngsten Vorkommnissen: Er brauche eine Person an der Spitze des ORF, die mit gutem Beispiel vorangehe und sich wirklich bemühe, "die Unternehmenskultur im ORF zu verbessern".

Medienminister Andreas Babler (SPÖ) sprach sich nach dem Rücktritt Weißmanns dafür aus, dass eine Frau die Nachfolge antritt. Das täte dem Unternehmen gut, meinte er. Kommunikationswissenschafter Josef Trappel sieht das ähnlich: "Angesichts der zurückliegenden, männlich geprägten 20 Jahre wäre es in der Tat an der Zeit für eine Frau", sagte er, merkte aber an, das an erster Stelle die Qualifikation und nicht das Geschlecht stehen solle.

Thurnher mehr als ein Notnagel

Wer kommt also in Frage? Ingrid Thurnher soll die Geschäfte des ORF bis Jahresende führen. Dass die gegenwärtige ORF-Radiodirektorin darüber hinaus weitermacht, ist nicht auszuschließen.

Ingrid Thurnher ©APA

Zwar hat die 63-Jährige vor längerem angekündigt, nach ihrer Funktionsperiode als Radiodirektorin in Pension gehen zu wollen. Doch sie bringt über 40 Jahre an Erfahrung im ORF mit, ist wohl für mehrere "Freundeskreise" im ORF-Stiftungsrat wählbar und zudem vielen Personen in der Bevölkerung aus ihrer Zeit vor der Kamera ("ZiB2", "Im Zentrum", etc.) vertraut.

Mit Programmdirektorin Stefanie Groiss-Horowitz und Finanzdirektorin Eva Schindlauer sind zwei weitere Frauen gegenwärtig direkt unter dem ORF-Generaldirektor angesiedelt.

Stefanie Groiss-Horowitz ©APA

Ihnen spielt jedoch nicht in die Karten, dass sie bei ihrer Nominierung für die Jobs den Grünen zugerechnet wurden, die damals Teil der Bundesregierung waren. Für sie könnte es im Falle einer Bewerbung schwierig werden, im ORF-Stiftungsrat eine Mehrheit zu erlangen, setzt sich dieser doch gegenwärtig mehrheitlich aus formell weisungsfreien Personen zusammen, die der SPÖ und der ÖVP nahestehen.

Eva Schindlauer ©GEPA

Totzauer versuchte es schon einmal

Lisa Totzauer kennt den ORF - wie Thurnher - schon sehr lange. Seit fast 30 Jahren ist sie im öffentlich-rechtlichen Unternehmen beschäftigt, gegenwärtig als ORF-TV-Magazinchefin, davor u.a. als Channelmanagerin für ORF 1. Sie hatte sich bereits 2021 um den Job als ORF-Generaldirektorin beworben und wurde dabei als bürgerliche Alternative zum damaligen ORF-Chef Alexander Wrabetz gehandelt. Letztlich kam sie auf fünf von 35 Stimmen.

Lisa Totzauer ©APA

Als weitere potenzielle Anwärterin, die auch internationale Erfahrung mitbringt, verwies der "Standard" zuletzt auf die Österreicherin Inga Leschek, die seit 2023 bei RTL als Programmgeschäftsführerin tätig ist. Davor war sie Director Nonfiction DACH & CEE bei Netflix. Den ORF hat sie in ihrer Karriere schon als Produktionsleiterin kennengelernt.

APA-CEO als möglicher Bewerber gehandelt

Auch APA-CEO Clemens Pig wird immer wieder als möglicher Bewerber genannt. Er wurde 2015 zum Geschäftsführer der APA-Gruppe bestellt und übernahm 2016 den Vorsitz. Im Vorjahr wurde Pig, der keiner Partei zuzurechnen ist, für eine weitere fünfjährige Funktionsperiode an der Spitze der Nachrichtenagentur bestätigt, wo er an der Schnittstelle von ORF und privaten Medien operiert.

Clemens Pig ©APA

Seit längerem wird bereits über Bewerbungen von ORF-NÖ-Landesdirektor Alexander Hofer und Kronehit-Geschäftsführer Philipp König spekuliert. König steht der ÖVP nahe, hat er doch schon im Bundeskanzleramt als Medienrechtsexperte unter Gernot Blümel und später mit dem Medienbeauftragten von Sebastian Kurz, Gerald Fleischmann, gearbeitet. Er blickt zudem auf mehrjährige Erfahrung im ORF, wobei er als Rechtsexperte auch unter dem damaligen Chefproducer Weißmann arbeitete.

Hofer ist eng mit dem ORF-Landesstudio NÖ verbunden, wo er vor über 30 Jahren seine Laufbahn als Journalist gestartet hat. 2023 kehrte er dorthin zurück - allerdings an der Spitze. Er folgte auf Robert Ziegler, der den Posten nach Vorwürfen aus der Redaktion rund um ÖVP-freundliche Berichterstattung abgegeben hatte. Im ORF-Zentrum in Wien betätigte sich Hofer, der der ÖVP näher als der SPÖ stehen soll, zuvor als Channelmanager von ORF 2.

Alexander Hofer ©APA

Auch Markus Breitenecker, lange Zeit Chef der Privatsendergruppe ProSiebenSat.1Puls4 und zuletzt im Vorstand des Mutterkonzerns in Deutschland, ist seit wenigen Monaten am Markt und wird verlässlich als möglicher Bewerber auf den ORF-Chefposten gehandelt.

Markus Breitenecker ©APA

Neue Regeln zum Auswahlverfahren

Wer auch immer das Rennen machen wird, der ORF-Stiftungsrat hat künftig in seiner Geschäftsordnung näher festzulegen, "mit welchen organisatorischen Maßnahmen und Vorkehrungen auch zur Information der Öffentlichkeit ein transparentes, offenes, wirksames und nichtdiskriminierendes Verfahren zur Bestellung der Generaldirektorin bzw. des Generaldirektors, der Direktorinnen bzw. Direktoren sowie der Landesdirektorinnen bzw. Landesdirektoren sichergestellt wird". Darauf hat sich die Bundesregierung Ende Februar verständigt. Die geplante Ergänzung im ORF-Gesetz muss allerdings erst vom Nationalrat beschlossen werden.

(APA)

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