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Zecken: Warum sie immer früher aktiv werden

Warum Zecken immer früher aktiv werden.
Warum Zecken immer früher aktiv werden. ©APA
Zecken werden in Österreich und im Alpenraum zunehmend früher aktiv. Forscher sehen dafür mehrere Gründe – von milden Wintern bis zum Klimawandel. Gleichzeitig zeigt die Forschung: Die Zusammenhänge sind komplexer, als viele glauben.

Milde Temperaturen verschieben den Start der Zeckensaison

Zecken gelten traditionell als typische Frühjahrs- und Sommerbegleiter. Doch Experten beobachten seit Jahren, dass die Tiere zunehmend früher im Jahr aktiv werden.

Der Grund ist biologisch relativ einfach: Zecken werden aktiv, sobald die Temperaturen über mehrere Tage hinweg etwa sechs bis sieben Grad Celsius erreichen. Unter günstigen Bedingungen können sie deshalb bereits im Spätwinter oder sehr frühen Frühjahr auftreten.

Auch österreichische Medienberichte weisen darauf hin, dass Zecken inzwischen teilweise deutlich früher aktiv werden als noch vor einigen Jahren.

Österreich hat sich deutlich erwärmt

Dass sich die Bedingungen für Zecken verändern, hängt auch mit langfristigen Temperaturtrends zusammen.

Österreich hat sich deutlich stärker erwärmt als der globale Durchschnitt. Laut dem Zweiten Österreichischen Sachstandsbericht zum Klimawandel ist die Durchschnittstemperatur seit 1900 um rund 3,1 Grad Celsius gestiegen. Auch andere Analysen kommen zu ähnlichen Größenordnungen und zeigen, dass sich das Klima im Alpenraum seit der vorindustriellen Zeit um knapp drei Grad erwärmt hat.  

Diese Entwicklung wirkt sich besonders auf Arten aus, deren Aktivität stark von Temperatur und Feuchtigkeit abhängt – dazu gehört auch die in Europa häufigste Zeckenart Ixodes ricinus.

Zecken breiten sich auch in höhere Lagen aus

Neben dem früheren Saisonbeginn beobachten Fachleute auch geografische Veränderungen.

Die österreichische Agentur für Gesundheit und Ernährungssicherheit (AGES) berichtet, dass Zecken inzwischen in deutlich höheren Lagen vorkommen als früher. Während lange Zeit etwa 1000 Meter als typische Grenze galten, wurden Zecken inzwischen auch oberhalb von 1500 Metern nachgewiesen.

Internationale Studien zeigen ebenfalls, dass sich geeignete Lebensräume für Zecken in Europa durch Temperatur- und Klimaveränderungen verschieben können.

Mehr Zecken durch den Klimawandel? Die Forschung ist vorsichtig

Oft wird angenommen, dass wärmere Temperaturen automatisch zu mehr Zecken führen. Die wissenschaftliche Literatur zeichnet jedoch ein differenzierteres Bild.

Eine große Übersichtsarbeit zur Zeckenökologie zeigt, dass neben dem Klima auch viele andere Faktoren eine Rolle spielen – etwa Wildtierbestände, Vegetation oder Landnutzung.

Langzeitstudien aus Mitteleuropa zeigen zwar teilweise steigende Zeckenzahlen, finden aber keinen klaren direkten Zusammenhang zwischen Temperaturanstieg und Zeckenpopulation.

Auch Modellrechnungen kommen zu unterschiedlichen Ergebnissen: Unter bestimmten Klimaszenarien könnte die Zahl der Zecken in manchen Regionen sogar wieder sinken, etwa durch zunehmende Trockenheit.

Die Forschung ist sich deshalb einig: Klima ist ein wichtiger Faktor – aber nicht der einzige.

Welche Krankheiten Zecken übertragen können

Zecken können mehrere Krankheitserreger übertragen. In Österreich spielen vor allem zwei Erkrankungen eine Rolle.

FSME (Frühsommer-Meningoenzephalitis)

Dabei handelt es sich um eine Virusinfektion, die das zentrale Nervensystem betreffen kann. Sie ist in Österreich meldepflichtig.

Borreliose (Lyme-Krankheit)

Diese bakterielle Infektion kann Haut, Gelenke und Nervensystem betreffen. Anders als FSME ist Borreliose in Österreich nicht meldepflichtig, weshalb nur Schätzungen über die tatsächliche Zahl der Erkrankungen existieren. Experten gehen von 25.000 bis 70.000 Fällen pro Jahr aus.

Impfung schützt vor FSME

Gegen die durch Zecken übertragene FSME gibt es eine wirksame Schutzimpfung. Gesundheitsbehörden empfehlen sie in Österreich grundsätzlich für die gesamte Bevölkerung, da das Virus in allen Bundesländern vorkommt.

Die Grundimmunisierung besteht aus drei Teilimpfungen. Danach werden regelmäßige Auffrischungen empfohlen:

  • erste Auffrischung nach drei Jahren
  • anschließend meist alle fünf Jahre
  • bei Menschen über 60 Jahren meist alle drei Jahre

Österreich zählt europaweit zu den Ländern mit einer besonders hohen FSME-Impfquote. Experten sehen darin einen wichtigen Grund dafür, dass schwere Krankheitsverläufe heute deutlich seltener auftreten als noch vor einigen Jahrzehnten.

Die Impfung schützt jedoch nur vor FSME, nicht vor Borreliose.

Vorsicht im Wald und auf Wiesen

Zecken halten sich vor allem in Wiesen, Waldrändern und Gebüschen auf. Dort warten sie auf vorbeigehende Tiere oder Menschen, an denen sie sich festsetzen können.

Nach Aufenthalten in der Natur empfehlen Experten deshalb, den Körper gründlich nach Zecken abzusuchen. Wird eine Zecke früh entfernt, sinkt das Risiko einer Krankheitsübertragung deutlich.

5 Dinge, die du über Zecken wissen solltest

  1. Zecken sind früher aktiv als viele denken: Zecken werden aktiv, sobald die Temperaturen mehrere Tage über etwa 6 bis 7 Grad Celsius liegen. In milden Wintern kann das bereits im Februar passieren.
  2. Sie sitzen nicht auf Bäumen: Zecken warten meist in Gras, Gebüsch oder an Waldrändern auf ihre Wirte. Sie gelangen beim Vorbeigehen auf Menschen oder Tiere – von oben fallen sie normalerweise nicht herunter.
  3. Zwei Krankheiten sind besonders relevant: In Österreich werden vor allem FSME (Virusinfektion des Nervensystems) und Borreliose (bakterielle Infektion) durch Zecken übertragen.
  4. Die FSME-Impfung schützt zuverlässig: Gegen FSME gibt es eine Impfung. Die Grundimmunisierung besteht aus drei Teilimpfungen, danach sind regelmäßige Auffrischungen nötig. Gegen Borreliose existiert derzeit keine Impfung.
  5. Schnelles Entfernen senkt das Risiko: Wer eine Zecke entdeckt, sollte sie so rasch wie möglich entfernen. Je kürzer sie in der Haut sitzt, desto geringer ist das Risiko einer Krankheitsübertragung.

(VOL.AT)

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