AA

Zwei Tote nach Meningitis-Cluster – könnte das auch Österreich treffen?

Könnte der Meningitis-Ausbrich in Großbrittannien auch für uns gefährlich werden?
Könnte der Meningitis-Ausbrich in Großbrittannien auch für uns gefährlich werden? ©AFP
Ein Meningokokken-Ausbruch unter jungen Menschen in Kent sorgt für Alarm: 20 Fälle, zwei Todesopfer und eine groß angelegte Impf- und Antibiotikakampagne prägen die Lage. Eine Einschätzung zeigt, was das für Österreich bedeutet.

Cluster rund um Uni und Klubnacht

Canterbury steht derzeit im Zentrum eines ungewöhnlichen Infektionsgeschehens. Nach Angaben der britischen Gesundheitsbehörde UKHSA wurden bis Dienstag, 17. März, 20 Fälle einer invasiven Meningokokken-Erkrankung (IMD) identifiziert. Neun davon sind laborbestätigt, sechs eindeutig der Serogruppe B (MenB) zuzuordnen. Zwei Menschen sind im Zusammenhang mit dem Ausbruch gestorben.

Studenten warten bei der Kent-University auf ihre Impfung. ©AFP

Auffällig: Viele Betroffene sind junge Erwachsene – Studierende der University of Kent oder Schüler höherer Schulen. Als möglicher gemeinsamer Nenner gilt ein Klubbesuch im "Klub Chemistry" zwischen 5. und 7. März.

©AFP

Behörden reagieren mit "full-scale response"

Die Reaktion der Behörden ist massiv – und für solche Cluster zugleich lehrbuchhaft. Mehr als 2.500 Personen erhielten bereits prophylaktisch Antibiotika.

"Around 2,500 doses of antibiotics have now been administered … This is the main intervention … to halt the spread", erklärte Trish Mannes von der UKHSA.

Zusätzlich läuft eine gezielte Impfkampagne: Bis zu 5.000 Studierende in Wohnheimen sollen ein Angebot für die MenB-Impfung erhalten.

Wie gefährlich ist das für Österreich?

Die kurze Antwort: aktuell sehr gering – aber nicht null.

Meningokokken sind keine "klassischen Reisekeime", die sich wie etwa Grippewellen rasch über Ländergrenzen verbreiten. Die Übertragung erfolgt fast immer durch engen, direkten Kontakt über längere Zeit – etwa in Haushalten, Wohngemeinschaften oder bei intensiven sozialen Kontakten.

Das bedeutet: Für die Allgemeinbevölkerung in Österreich besteht derzeit kein erhöhtes Risiko.

Anders sieht es für bestimmte Gruppen aus:

  • Personen, die kürzlich in der Region Kent waren – insbesondere rund um die University of Kent oder das genannte Klub-Event
  • Studierende mit internationalen Kontakten oder Austauschprogrammen
  • Menschen in ähnlichen Settings (Wohnheime, Partyszene), wo viele enge Kontakte zusammenkommen

Hier gilt: Ein Einschleppen einzelner Fälle ist grundsätzlich möglich, aber größere Ausbrüche sind ohne solche engen Netzwerke unwahrscheinlich.

Krankheit verläuft oft rasend schnell

Medizinisch ist die Erkrankung ein Notfall. Zwischen ersten Symptomen und lebensbedrohlichem Zustand können nur Stunden liegen.

Typische Warnzeichen sind:

  • plötzliches Fieber
  • starke Kopfschmerzen
  • Nackensteife
  • Erbrechen
  • Verwirrtheit
  • nicht wegdrückbarer Hautausschlag

Die WHO warnt: Bakterielle Meningitis kann innerhalb von 24 Stunden tödlich verlaufen. Etwa jeder fünfte Überlebende behält dauerhafte Schäden.

Impfungen helfen – mit Einschränkungen

Ein wichtiger Punkt: Die Standardimpfung für Jugendliche (MenACWY) schützt nicht gegen MenB. Und auch spezielle MenB-Impfstoffe decken nicht alle Varianten ab.

Für Österreich bedeutet das: Der bestehende Impfschutz reduziert das Risiko insgesamt deutlich, kann aber nicht jeden einzelnen Stamm verhindern.

Hinweis: Dieser Artikel dient ausschließlich der Information und ersetzt keine medizinische Beratung. Bei gesundheitlichen Beschwerden oder Verdacht auf eine Erkrankung sollte umgehend ärztlicher Rat eingeholt werden.

(VOL.AT)

  • ADMIN AT
  • Gesundheit
  • Zwei Tote nach Meningitis-Cluster – könnte das auch Österreich treffen?