Riesiger Zuwachs bei Cybercrime in Österreich

Kein Minus gab es im Hinblick auf angezeigte Cybercrime-Delikte.
Kein Minus gab es im Hinblick auf angezeigte Cybercrime-Delikte. ©REUTERS/Kacper Pempel/Illustration/File Photo (Symbolbild)
Einen Zuwachs gab es in Österreich im Vorjahr mit Blick auf den Cybercrime. Mit 35.915 angezeigten Delikten waren es im Vergleich zu 2019 um 7.476 mehr.

"Topdelikt" blieb der Internetbetrug mit 18.780 Anzeigen - ein neuer Höchststand, erläuterte Franz Ruf, Generaldirektor für die öffentliche Sicherheit, bei der Präsentation des Cybercrime Reports am Mittwoch in Wien. Die Corona-Pandemie hat dabei ihren Beitrag zu dieser markanten Entwicklung geleistet.

Generaldirektor beschreibt Entwicklung von Cybercrime

Ruf nannte in diesem Zusammenhang etwa "Love Scams", bei denen oft einsame Opfer etwa in Sozialen Medien durch emotionale Manipulation um ihr Geld gebracht werden. Auch vermehrte Betrugshandlungen mit Fakeshops oder über regulären Online-Anbieter fielen mit Beginn von Covid-19 auf, "das zeigt, dass die Kriminellen die Pandemie ganz geschickt für ihre Interessen genutzt haben." Ist es auch der Betrug, der ganz vorne bei den Cyber-Delikten steht, so hat inzwischen fast jede Kriminalitätsform einen digitalen Aspekt, betonte der Generaldirektor. "Es gibt nur mehr wenige Bereiche, auch in der traditionellen Kriminalität, in denen Digitalisierung und IT keine Rolle mehr spielen", so Ruf weiter. "Cybercrime ist in den letzten zehn Jahren von einer kriminalistischen Randerscheinung zu einem Hauptproblem geworden."

"Cybercrime im engeren Sinne"

Sieht man sich die zwei große Unterbereiche an, die das Bundeskriminalamt bei den digitalen Delikten unterscheidet, so zeigt sich, dass bei "Cybercrime im engeren Sinne" - Angriffe auf Daten oder Computersysteme unter Verwendung digitaler Technik - der Anstieg der Anzeigen noch stärker ausfiel, als bei der Gesamtbetrachtung: 12.914 Fälle gegenüber von 7.622 im Jahr 2019 bedeuten ein Plus von 69,4 Prozent bei Delikten wie Hacking oder DDoS-Angriffen - mit "Distributed Denial of Service"-Attacken versuchen Kriminelle, die Rechner ihrer Opfer mit einer Vielzahl von Anfragen zu überfluten und so lahmzulegen. Verdoppelt haben sich die Anzeigen auf über 10.000 innerhalb eines Jahres beim "betrügerischen Datenverarbeitungsmissbrauch" (§148a StGB), den größten Teil der Anzeigen macht hier der Betrug mit Bankomat- und Kreditkarten durch bargeldlose Zahlungen mittels NFC-Funktion aus.

Smartphone bei Cybercrime genutzt

Trotz dieser Zuwächse findet sich das "Topdelikt" im zweiten Unterbereich "Cybercrime im weiteren Sinne", zu denen die Straftaten zählen, bei denen Smartphone oder PC als Tatwerkzeuge zur Planung, Vorbereitung und Ausführung von herkömmlichen Kriminaldelikten eingesetzt wird. Nach 16.831 Anzeigen im Jahr 2019 stiegen diese im Bereich Internetbetrug auf 18.780 und somit machen Anlagebetrügereien, Gewinnversprechen oder vorgetäuschte Warenlieferungen über 50 Prozent aller Cybercrime-Delikte aus. Zu den weiteren Delikten im zweiten Unterbereich zählen der Drogenhandel im Darknet, Online-Kindesmissbrauch oder Cybergrooming bzw. -mobbing.

Nehammer erkennt Änderung hin zu Internet

Innenminister Karl Nehammer (ÖVP) stellte in einem Statement gegenüber der APA die zunehmende Verlagerung der Kriminalität ins Internet fest: "Vom Bestellbetrug bis hin zum Suchtmittelhandel. Deshalb wird auch die Ermittlungsarbeit im Internet immer wichtiger. Wir setzen bei der Polizei einen klaren Schwerpunkt und verdoppeln im Bundeskriminalamt das Personal für diesen Bereich. Außerdem setzen wir bei der laufenden Kriminaldienstreform auf die Aus- und Weiterbildung der Polizistinnen und Polizisten zu dieser Deliktsform. Und wir verstärken die Präventionsarbeit auf der Plattform 'Gemeinsam.Sicher'".

Blick in Vergangenheit von Cybercriminalität

Die Entwicklung der Cyberkriminalität ist nicht erst seit Covid-19 derartig, dass sie von Bundeskriminalamts-Direktor Andreas Holzer als "explosiv" bezeichnet wurde. "Wir haben mit ein paar Tausend Delikten begonnen", sagte Holzer unter Hinweis auf den ersten derartigen Report im Jahr 2011 - und seitdem gehe der Trend anhaltend steil nach oben. Die 2021 beschlossene Kriminaldienstreform ist Teil der Antwort auf die Verlagerung der Verbrechen in die digitale Ebene: "Die Digitalisierung ist wesentlich für unsere Gesellschaft, aber auch für bestimmte Formen der Kriminalität verantwortlich", führte Generaldirektor Ruf aus - die Bekämpfung von Cyberkriminalität mit all ihren Erscheinungsformen wolle man daher weiter vorantreiben.

Cybercrime im Zuge von Polizei-Ausbildung miteinbeziehen?

Als ein Beispiel nannte Ruf das Cybercrime Competence Center C4, wo das bestehende Personal von 60 auf 120 Bedienstete verdoppelt werden soll. Neben diesen Beamten im "High level"-Bereich will man die personelle Stärkung im Cyberbereich bis hinab in die Landesebene vorantreiben. BK-Direktor Holzer nannte als Ziel, dass bereits während der Grundausbildung jedes Polizisten Cybercrime-Inhalte vermittelt werden sollen. Es handle sich hier auch nicht um eine Ankündigungspolitik, führte Holzer weiter aus, beispielsweise gebe es in der Landespolizeidirektion Oberösterreich bereits ein "Cybercrime Trainingscenter" - und die Prävention aller bleibe weiterhin ein primäres Ziel: Cybersicherheit soll für alle Menschen so normal sein, wie das Versperren der Haustür.

(APA/Red)

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